SEGENSFEIERN

Papst Leos Gelassenheit provoziert Eiferer – auch bei deutschen Katholiken

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An Segensfeiern reiben sich viele auf. Jetzt wird ein alter Brief als neue Wendung verkauft – durchschaubar, meint Chefredakteur Markus Nolte.

Nichts kann Eiferer derart in Rage bringen wie tiefe, in sich ruhende Gelassenheit. Zu heiliger Meisterschaft in dieser Hinsicht hat es Leo XIV. gebracht. Der beste Beweis für die demaskierende Wirkkraft seines verbalen Gewaltverzichts sind nicht nur die narzisstischen Pöbeleien des US-Präsidenten gegen den amerikanischen Pontifex. Auch manchen Katholiken hierzulande ist Leos Rückkehr zu vatikanischer Nüchternheit offenkundig zu wenig rückschrittlich.

In der einen wie der anderen Sache nämlich sagt Leo XIV. katholische Selbstverständlichkeiten: Als Gottesgeschöpfe sollen alle Menschen in Frieden leben. Was in dem einen Fall die Verurteilung von Krieg impliziert, im anderen den Respekt vor queeren Menschen – inklusive der lehramtlichen Einschränkung im Segensfall auf informelle 15 Sekunden.

Leo wird gefragt, Leo antwortet

Während diese formlose Segnung „im Vorübergang“ den meisten der Wenigen, die ihn überhaupt als geistliches Bedürfnis verspüren, als wenig respektvoll gilt, wähnen andere darin „bahnbrechende“ Reform oder Verrat der reinen Lehre. Der Papst indes bleibt beim „alle, alle, alle“ seines Vorgängers, natürlich in der beschriebenen begrenzten Weise. 

Gerade erst hat Leo an diese „berühmt-berüchtigte“ Regel erinnert – und zwar nachdem ihn eine Journalistin auf die deutschen Zustände ansprach: Da hat doch sogar der Kardinal Marx die Segnung erlaubt, und überhaupt: Was die deutschen Bischöfe da in ihrer Handreichung zu Segensfeiern schreiben, ist doch eine klare und damit untersagte Form! Und der Papst sagt in etwa, alle Welt wisse ja, dass es keine Form geben dürfe. Heißt: Nichts Neues unter der römischen Sonne, wie auch. Leo wird gefragt, Leo antwortet, was Stand ist. Punkt.

Alter Brief als „neue Wendung“?

Dieser journalistisch evozierten, gelassenen Wiederholung einer Selbstverständlichkeit folgte indes zweierlei: Wenige Tage später melden manche Medien, der Vatikan habe eine Absage zu Segensfeiern an die deutschen Bischöfe veröffentlicht, was als „neue Wendung“ verkauft wird. Tatsächlich aber ist dieser alte Brief von 2024 weniger proaktiv „veröffentlicht“ als online in irgendeinem kaum zu findenden Bereich versteckt – wie ein verspätetes Nachholen einer Dokumentationspflicht. 

Kurzum: Leo bleibt gelassen beim Status quo. Die so Provozierten basteln daraus einmal mehr einen Zoff, der wohl etwas gänzlich anderem dienen soll: dem ausstehenden Ja Roms zur deutschen Synodalkonferenz möglichst viele Steine in den Weg zu legen. Leos Stil ist das nicht.

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