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Jens Joest über den wirtschaftlichen Kurs im Bistum Münster

Kommentar: Solide Gelassenheit – trotz Corona

Das Bistum Münster will Corona-bedingte Kirchensteuer-Einnahmeverluste aus Rücklagen ausgleichen. Diese Gelassenheit taugt auch in anderen Bereichen der Krise als Vorbild, findet Jens Joest.

Das Bistum Münster will Corona-bedingte Kirchensteuer-Einnahmeverluste aus Rücklagen ausgleichen. Diese Gelassenheit taugt auch in anderen Bereichen dieser Krise als Vorbild, findet Kirche+Leben-Redakteur Jens Joest.

Wie schmerzhaft werden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise? Kirchliche Institutionen tun gut daran, nicht das Ergebnis dieser Debatte abzuwarten, sondern sich vorzubereiten.

Das Bistum Münster setzt ein starkes Sig­nal: Es greift in seine Rücklagen, um Corona-bedingte Einnahme-Rückgänge bei der Kirchensteuer aufzufangen. Diese Entscheidung ist zwar gravierend, aber ein Zeichen solider Gelassenheit.

Planungssicherheit für Pfarreien und Unternehmen

Sie vertraut darauf, dass die Wirtschaft auf Bistumsgebiet robust ist und rasch wieder Tritt fasst. In seiner Finanzplanung wertet das Bistum Corona als „kurzfristigen Effekt“ und nicht als dauerhaftes Strukturproblem.

Die Aussage von Finanzchef Ulrich Hörsting in „Kirche-und-Leben.de“, den Bistumshaushalt weitgehend so umzusetzen wie vorgesehen, schafft auch weitgehend Planungssicherheit. Für Pfarreien mit laufenden oder anstehenden Investitionsprojekten und für beteiligte Unternehmen.

Keine Kurskorrektur wegen Corona

Der finanzpolitisch ruhige Kurs stärkt auch Vertrauen in getroffene Entscheidungen: Rücklagen sollen nur angetastet werden, wenn Kirchensteuer-Einnahmen konjunkturbedingt geringer ausfallen als geplant. Das hat Hörsting im Februar gesagt – also bevor das Corona-Virus die Wirtschaft wochenlang nahezu flächendeckend zum Stillstand brachte. Diese Maßgabe gilt offensichtlich weiter: Die Konjunktur bricht ein, darum ist der Griff in die Rücklagen gerechtfertigt.

Natürlich muss ein Bistum sich diesen Schritt im Wortsinn leisten können. Münster traut sich das – und weiß doch: Wenn es schlimmer wird, müssen auch im Bistum Investitionen unterbleiben. Mit dieser Möglichkeit bleibt die Diözese selbst dann handlungsfähig, falls sich die wirtschaftliche Lage noch zuspitzt.

Vorbild für andere Bereiche

Die Gelassenheit und Besonnenheit dieser Entscheidung können auch Vorbild sein für manche erregte Diskussion in der Corona-Krise: Es lohnt sich, eine Lage zuerst zu beobachten, andere Sichtweisen zu berücksichtigen, sich nicht von lauten Meinungen und erster Hektik zu Aktionismus treiben zu lassen. Vielleicht fehlt jenen, die mit Vorliebe und vorschnell schwarz malen jenes wertschätzende Vertrauen in ihre Mitmenschen, das eine christliche Grundtugend ist.

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