Simon Dunkel zur Diskussion über den Verbandsparton der KjG

Hat Thomas Morus wirklich ausgedient? Über Maßstäbe an Menschen

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Auf Antrag der KjG im Bistum Münster setzt sich der KjG-Bundesverband kritisch mit dem Verbandspatron Thomas Morus auseinander. Zu Recht? Simon Dunkel zweifelt. Er hinterfragt Maßstäbe an Menschen und zieht Parallelen zu Martin Luther.

Wie gehe ich mit einem Menschen um? Wie beurteile ich ihn? Für mich als Christ steht fest: Zu einem Menschen gehören seine Fehler genauso wie seine positiven Eigenschaften.

Der heilige Thomas Morus (1478-1535) soll nach Wunsch der Katholischen jungen Gemeinde Münster (KjG) nun nach vielen Jahren als ihr Verbandspatron abgelöst werden. Der Grund für die Überlegungen und Distanzierung ist für mich zunächst nachvollziehbar: Zu Lebzeiten ließ Morus als Lordkanzler des englischen Königs Protestanten staatlich verfolgen.

Diese Betrachtung ist eindimensional, wenn nicht andere Aspekte hinzugezogen werden. Dabei steht gerade doch der Patron der Politiker und Regierenden mit seinem Leben für Gewissensfreiheit, Mut und Humor. Werte, die wir in den herausfordernden Zeiten, in der Welt und in unserer Kirche mehr brauchen denn je. Sie sind eben nicht, anders als die KjG formuliert, veraltet und überholt.

Perfektion als Anspruch an andere

Heilige waren eben auch nur Menschen. Menschen, die nicht perfekt, sondern wie wir waren. Mit allen Macken und Fehlern, die auch wir haben und allzu gut kennen. Es ist richtig, dass der heilige Thomas Morus Fehler gemacht hat. Es sind auch Fehler, die aus heutiger Sicht sicherlich schwerwiegend sind.

Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach dem perfekten Menschen. Meistens ist der Anspruch an Perfektion allerdings auf andere gerichtet. An verstorbene oder noch lebende Menschen wird der Maßstab des Perfekten angelegt. Kann da überhaupt ein Mensch bestehen?

Das Beispiel Martin Luther

Der Autor
Simon Dunkel aus Senden ist 20 Jahre alt und befindet sich zurzeit in der Berufsausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Bischöflichen Generalvikariat Münster (BGV).

Kaum ein Protestant käme auf die Idee, Martin Luther nur anhand seiner Schattenseiten zu beurteilen. Zu seinem Leben gehört genauso, dass er antisemitische Schriften verfasst oder unglücklich in Bezug auf die Bauernkriege agiert hat.

Trotzdem sind evangelische Kirchen, Straßen und Schulen nach ihm benannt. Passt das noch zusammen? Ja, selbstverständlich. Zu Recht wird der Reformator auch für die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache gewürdigt.

Auf Fehler reduzieren?

Wollen wir als Christen diejenigen sein, die andere auf Fehler reduzieren? Oder wollen wir auch mal wieder das Gute in den Menschen sehen? Das schließt eine kritische Auseinandersetzung niemals aus!

Das ist genau das, was ich mir für uns wünsche: Als überzeugte Christen, als kritische Denker und im Sinne des heiligen Thomas Morus leben, der sich selbst bis heute durch sein verantwortliches Handeln auszeichnet und schlussendlich auf sein Gewissen hörte.

„Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen!“, ermutigt der 1. Timotheusbrief (4,12) seinen Empfänger Timotheus. Und in der 1.500 Jahre alten Benediktsregel rät der heilige Benedikt, bei wichtigen Dingen alle Brüder anzuhören, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist“ (RB 3,3). Darum kommen in unserer Rubrik „Der junge Kommentar“ ausdrücklich Autor:innen unter 30 Jahren mit ihrer persönlichen Meinung zu einem selbst gewählten Thema zu Wort. Sie sind ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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