Christof Haverkamp zu Fusionen von Pfarreien

Kommentar: Vergesst die Landbewohner nicht!

Vor zehn Jahren bestand das Bistum Münster aus 508 Kirchengemeinden - heute sind es 218. Auch in anderen Diözesen gibt es Fusionen. Dabei ist es wichtig, die Belange der Menschen in den Dörfern nicht zu vernachlässigen.

Die katholische Kirche in Deutschland und damit auch das Bistum Münster erlebt seit einigen Jahren gewaltige Umbrüche, weil die Zahl der Priester und Gläubigen schwindet. Auch der demographische Wandel zwingt zu Zusammenschlüssen. Wenn man sich fragt, wie es dauerhaft weitergeht, lässt sich vor allem eines sicher beantworten: Es kann und wird nichts so bleiben, wie es derzeit ist. Der Wechsel stellt die Seelsorge vor enorme Herausforderungen.

Fusionen von Pfarrgemeinden sind nie leicht, aber in den Städten gelingen sie oft einfacher als auf dem Land, auch weil die Entfernungen kleiner sind und die Eigenständigkeit von Stadtteilen nicht so ausgeprägt ist wie die von Dörfern. Wichtig ist, dass die Menschen auf dem Land nicht auf der Strecke bleiben, sondern mitgenommen und in den Zentralen wertgeschätzt werden.

Lamentieren führt nicht weiter

Wer in einem kleineren Ort wohnt, hat in den vergangenen Jahrzehnten insge­samt etliche Veränderungen mitgemacht, die sich hinter dem so harmlos wie langweilig klingenden Begriff Strukturwandel verbergen: Bauern mussten den Hof aufgeben, den die Vorfahren jahrhundertelang, oft schon seit dem Mittelalter, betrieben hatten. Schulen mussten schließen, die Post, der Laden, das Gasthaus.

Alles ist nun weiter weg, das Einkaufszentrum ebenso wie die Gemeinde- und Kreisverwaltung, das Polizeirevier und das Krankenhaus. Was bleibt noch? Kann man wenigstens die Kirche, die Pfarrei noch im Dorf lassen?

Konflikte sind bei XXL-Pfarreien programmiert

Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat vor einigen Wochen die Großpfarreien als Modell ohne Alternative bezeichnet. Konflikte, Enttäuschungen, Frustrationen sind bei diesen XXL-Pfarreien aber programmiert, selbst wenn zuvor die Steuerungsgruppen noch so sorgfältig an den lokalen Pastoralplänen gefeilt haben. Zumindest sollte über das Modell der Pfarrverbünde nachgedacht werden.

Zweifellos: In einer überschaubaren Pfarrei lebt es sich komfortabler, ist die Nähe größer. Aber das ist eben nicht mehr machbar. Lamentieren führt nicht weiter, auch nicht der Hinweis, dass früher alles besser war.

Pessimismus nützt niemandem. Hilfreicher ist es, das Beste aus der bestehenden Situation zu machen. Dass sich eine Arbeitsgruppe über neue Leitungsformen Gedanken machen will, ist zumindest ein hoffnungsvolles Zeichen.