Das „C“ in der Politik

Kommentar: Wohltuende Unterstützung

Von Willkommenskultur für Asylsuchende wird im Jahr der Barmherzigkeit seltener gesprochen als zuvor. Dafür ist umso häufiger in Politik und Gesellschaft von Obergrenze die Rede. Die Flüchtlingsfrage bleibt ein heiß diskutiertes Thema, innerhalb der tief zerstrittenen Unionsparteien ebenso wie in der Europäischen Union. Und aktuell ist in Frankreich das dreckige, berüchtigte Lager in Calais ein Politikum, denn Regierungschef François Hollande will es schließen.

Das Thema Flüchtlinge beherrscht den Wahlkampf bei den Franzosen ebenso wie bei den Deutschen. Die jüngsten Abstimmungen und Erfolge der AfD hierzulande belegen, dass Angela Merkel mit ihrer beharrlichen „Wir-schaffen-das“-Haltung immer weniger Zustimmung findet. Doch es zeichnet die Kanzlerin aus, dass sie nicht von ihrem grundsätzlichen Kurs abweicht. Und Merkel erfährt gerade von den Kirchenleitungen nach wie vor große Unterstützung. Diese Verlässlichkeit ist wohltuend.

Bischöfe orientieren sich nicht an Umfragewerten

Die katholischen und evangelischen Bischöfe orientieren sich nicht an Umfragewerten, sondern an der Bibel. Für ihre Ansichten nehmen sie in Kauf, Hassmails zu erhalten, sogar von Teilen der kirchlichen Basis. Denn auch dort wird die Aufnahme und Integration neuer Flüchtlinge nicht überall eindeutig begrüßt. Vereinzelt jedenfalls ist eine diffuse Angst vor vermeintlich zu viel Fremden zu spüren.

Doch diese Skeptiker dürften in der Minderheit sein. Generell kommt dem Staat zugute, dass innerhalb der Kirchen viele ehrenamtliche wie hauptberufliche Praktiker vor allem bei der Integration von Flüchtlingen wertvolle Dienste leisten. Rund 120 Experten erörtern zum Beispiel auf dem zweiten Katholischen Flüchtlingsgipfel in Frankfurt Fragen aus dem Alltag. Weil die Balkan-Route derzeit geschlossen ist, rückt die Aufnahme in den Hintergrund. Es geht aktuell mehr um die Integration, um Fragen von Wohnraum und Arbeitsplätzen. Die Flüchtlingsfrage bleibt ein Dauerthema.

Die CSU muss sich fragen lassen, wie ernst sie es noch mit dem „C“ im Namen nimmt. Die Parteispitze hat sich klar von den Kirchen entfernt. Das war zu Zeiten von Hans Maier und Alois Glück noch anders. Aber auch an der CSU-Basis regt sich Widerstand gegen die Spitze – und das ist ebenfalls wohltuend.