Chefredakteur Christof Haverkamp zu den Ergebnissen der Bundestagswahl

Kommentar: Worauf es im Umgang mit der AfD jetzt ankommt

Auch wenn die AfD in katholisch geprägten Regionen schlechter abgeschnitten hat als im Bundesdurchschnitt: Das Ergebnis der Bundestagswahl macht es den Kirchen, aber auch anderen Religionen schwer. Ein Kommentar von Chefredakteur Christof Haverkamp.

Das Ergebnis der Bundestagswahl macht es für die Kirchen schwerer: CDU, CSU und SPD sind abgeschmolzen, mussten Verluste erleiden – genau die Parteien also, die generell christlichen Positionen und Werten am nächsten stehen. Die große Koalition pflegte eine gute, bewährte Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche, auch wenn es mitunter grummelte. Das wurde erkennbar an Äußerungen von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) oder aus laizistischen Störmungen in der SPD.

Der vielbeachtete Neuling im Bundestag, die AfD, gibt sich bürgerlich-konservativ. Doch die Partei lebt von aggressiven Provokationen und Parolen – der Protest hat sie nach oben gespült. Dabei fällt auf, dass die AfD ihre Hochburgen gerade nicht in besonders katholisch geprägten Regionen hat, sondern in säkularisierten Gebieten. Im Münsterland, dem Niederrhein oder dem Oldenburger Münsterland lagen die Ergebnisse unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Kirche sollte AfD nicht salonfähig machen

Die Kirchen kommen an der drittstärksten Fraktion nicht völlig vorbei, auch wenn sie deren Rassismus, Nationalismus und Hetze vehement ablehnen. Aber wie sollen sie sich zur AfD verhalten? Die Bischöfe und das Katholische Büro in Berlin sind gut beraten, die Partei nicht salonfähig zu machen, etwa durch offizielle Gespräche auf höchster Ebene. Das schließt Kontakte im Hintergrund zu einzelnen Parlamentariern keineswegs  aus.

Es ist immer noch besser, als wenn der Gesprächsfaden komplett abreißt. Eine ähnliche Linie fahren Kirchenvertreter bisher im Umgang mit der Linkspartei, die noch vor wenigen Monaten kirchenfeindliche Töne von sich gab.

Sorgen von Juden und Muslimen sind berechtigt

Ernst zu nehmen sind die Gründe, warum die AfD gerade aus der Union so großen Zulauf bekam – und das nur wegen flüchtlingsfeindlicher Töne. Angesichts der Wählerwanderung von gut einer Million ist die CDU gut beraten, den Konservativen innerhalb der Partei mehr Gewicht zu geben und diesen Flügel nicht zu vernachlässigen.

Ebenso ernst zu nehmen sind auch die  Befürchtungen religiöser Minderheiten. Die Sorgen von Juden und Muslimen vor einem Anstieg des Antisemitismus und der Islamfeindlichkeit in Deutschland sind nur zu berechtigt.