Jens Joest über Konsequenzen aus den Lockerungen

Kommentar: Zusammenhalt auch im Corona-Neustart

Mit den jüngst beschlossenen Lockerungen verändert sich der Umgang mit der Corona-Pandemie in Deutschland. Kirche+Leben-Redakteur Jens Joest wirft einen Blick auf Grundwerte und darauf, was Altenheime von der Bundesliga lernen können.

Corona, Phase 2: Seit Mitte März hatte der Kampf gegen das Virus das öffentliche und persönliche Leben drastisch eingeschränkt. Mit Lockerungen beginnt Deutschland nun eine neue Normalität. Sie unterscheidet sich nicht nur praktisch von „vorher“. Auf Dauer verändern muss sich auch die innere Haltung.

Das kann gelingen. Denn diese Gesellschaft kann zusammenhalten. Das hat Corona bewiesen. Die Menschen haben auf beeindruckende Weise ihre Freiheiten beschränken lassen, Risikogruppen unterstützt, Vereinzelung ertragen und Hygieneregeln verinnerlicht.

Gruppen nicht gegeneinander ausspielen

Diesen Zusammenhalt braucht die Gesellschaft weiterhin. Es bringt nichts, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen, weil diese schon Lockerungen genießen kann und jene noch nicht.

Ja, es gibt wichtigere Aufgaben als das Aufstellen von Rahmenbedingungen für die Fußball-Bundesliga. Aber es gibt ein Konzept, wie deren Spiele ablaufen können – mit regelmäßigen Corona-Tests.

Bundesliga als Vorbild für Altenheime

Ein solches Konzept muss Vorbild sein für besonders virusgefährdete Bereiche. Die Caritas im Oldenburger Land, die Deutsche Stiftung Patientenschutz und andere fordern sehr zu Recht wöchentliche Tests für alle Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, ebenso für die von ambulanten Diensten betreuten Patienten – und für die Pflegekräfte.

Eine riesige logistische und finanzielle Aufgabe. Geht es doch nicht um einige hundert Fußballer, sondern um etliche hunderttausend Bewohner und Pflegekräfte. Aber Senioren sind Risikogruppe. Wenn nun wieder Besucher zu ihnen kommen dürfen, steigt die Gefahr, dass die Bewohner sich infizieren.

Senioren und ihre Pflegekräfte zu testen, ist nicht nur sinnvoll, sondern auch möglich. Man muss es allerdings wollen.

Keine Normalität ohne Solidarität

Solidarität gilt auch weltweit. Zum Beispiel, sobald ein Impfstoff gegen das Corona-Virus vorliegt. Er muss dort zum Einsatz kommen, wo er am dringendsten notwendig ist. Darauf weist Bischof Felix Genn zu Recht hin. Dieser erste Einsatzort dürfte außerhalb Europas liegen.

Damit bedeutet Solidarität zwar auch Verzicht. Aber der Weg zurück in eine scheinbare „Normalität“ ohne Solidarität wäre eine Sackgasse.