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Die hohen AfD-Stimmanteile bei der Kommunalwahl in NRW beunruhigen viele Menschen. Was Kirchen-Vertreter aus der Region dazu sagen.
Den Rechtsruck im Kreis Recklinghausen, wo die AfD kreisweit knapp 20 Prozent erreichte, begründet der Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung im Bezirk Recklinghausen, Klaus-Dieter Amtmann, mit der hohen Arbeitslosigkeit und einer allgemeinen Unzufriedenheit: „Viele haben das Gefühl, abgehängt zu sein.“ Die Ergebnisse lägen im Landes- und Bundestrend. Und doch gebe es auch auf kommunalpolitischer Ebene Gründe, enttäuscht zu sein.
In Amtmanns Heimatstadt Herten wählten 21,5 Prozent der Wählenden die AfD. In einem Stadtteil sei der Protest mit hohen AfD-Anteilen besonders erkennbar gewesen, wo eine Straße seit langer Zeit gesperrt sei und die Ausweichstraßen nun ebenfalls nicht mehr für Busse passierbar seien, weil eine Brücke ebenfalls für längere Zeit nicht mehr zu passieren sei: „Ein Stadtbezirk ist dadurch verkehrstechnisch praktisch abgehängt. Die Menschen sind sauer. Also geben sie einen Denkzettel. Hier fehlt es an Investitionen in die Infrastruktur.“
KAB-Vertreter fordert: Mehr Zivilcourage zeigen
Die KAB habe sich in den vergangenen Jahren wiederholt an Demonstrationen „gegen rechts“ beteiligt und für die Demokratie geworben. „Aber auch wir von der KAB und der Kirche kommen an die Leute nicht ran, die enttäuscht sind.“ Insgesamt gelte es aber, mehr Zivilcourage zu zeigen und nicht aufzugeben, die Gespräche mit den Enttäuschten und Protestwählern zu suchen.
Amtmann sieht aber nicht nur Schatten im Wahlausgang und erwähnt beispielhaft das Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl in Dorsten, wo der CDU-Kandidat Tobias Stockhoff fast 70 Prozent holte: „Das zeigt, wie Wahlen ganz anders ausgehen können.“
KAB-Präses: Rechte Parolen inzwischen salonfähig
Der Diözesanpräses der KAB, Michael Prinz, nimmt ein verstärktes rechtes Gedankengut in der Gesellschaft wahr: „Rechte Parolen sind salonfähig geworden. Wir müssen die demokratischen Parteien stärken. Das werde die KAB auch weiterhin tun“, sagte der in Dinslaken im Kreis Wesel lebende Seelsorger. Es müsse deutlicher herausgestrichen werden, dass ein demokratisches Menschenbild anders sei als ein rechtes.
„Menschenrechte und Menschenwürde müssen immer der Maßstab sein“, sagte Prinz. Er hoffe, dass in den Gemeinderäten sowie in den Stadt- und Kreistagen die demokratischen Parteien „gut miteinander umgehen und der AfD keine Chance geben, sich zu profilieren.“
Caritas-Chef wenig überrascht von Wahlergebnissen
Für den Direktor des Caritasverbands für die Dekanate Wesel und Dinslaken, Michael van Meerbeck, kommen die Kommunalwahl-Ergebnisse nicht überraschend: „Sie folgen weitgehend dem Bund- und Landestrend. Die Ergebnisse der Bundestagswahl haben gezeigt, dass die AfD im Ruhrgebiet überdurchschnittlich stark geworden ist.“
CDU und SPD müssten sich wieder verstärkt auf das Soziale besinnen und Politikerinnen und Politiker nach vorn bringen, die glaubwürdig die Interessen der Menschen vertreten, sagte van Meerbeck: „Wir brauchen mehr Leute wie den CDU-Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann, der ankommt, weil man ihm abnimmt, was er sagt. Im übertragenen Sinn: Wir brauchen mehr Laumänner.“ Die Parteien müssten wieder lernen, von Werten aus zu argumentieren.
Sorge um Arbeitsplätze in Duisburg
Das starke Abschneiden der AfD in Duisburg – dort holte die Partei in zwei Stadtbezirken rund 30 Prozent der Wählerstimmen – hänge auch mit Problemen in der Stahlindustrie und der Angst um Arbeitsplätze zusammen. „Hier muss die Politik mehr tun.“ Auch van Meerbeck sieht die Ergebnisse differenziert: In allen Städten und Gemeinden des Kreises Wesel gebe es klare Mehrheiten für die demokratischen Parteien.