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Erik Flügge über eine gefährliche gesellschaftliche Entwicklung

Konkurrenz macht aggressiv

Auch wenn es mitten in der Corona-Krise anders aussah: Es steht nicht gut um den Zusammenhang in der Gesellschaft, meint der Kommunikationsberater und Autor Erik Flügge. Und allmählich könnte es richtig gefährlich werden. Warum das so ist und was in dieser Situation helfen kann, sagt er in seinem Gast-Kommentar.

Der Autor:
Erik Flügge ist Kommunikationsberater mit eigener Agentur, Autor und Kolumnist und unterrichtet crossmediale Glaubenskommunikation an der Ruhruniversität Bochum. Seine Bücher "Der Jargon der Betroffenheit. Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt" und "Eine Kirche für viele statt heiligem Rest" wurden zu Bestsellern.

Die politische Aggression in Deutschland nimmt immer mehr zu. Zumindest empfinden es sehr viele Menschen so und es spricht auch vieles dafür, dass dem wirklich so ist. Polizeikräfte werden angegriffen, Demos eskalieren, und die politischen Ränder radikalisieren sich. All das ist das Ergebnis einer aufgeheizten politischen Debatte.

Nun fällt es nicht schwer, diejenigen zu identifizieren und zu kritisieren, die Öl in dieses gesellschaftliche Feuer gießen. Es sind all die politischen Kräfte, die beständig durch aggressive Provokation und Agitation die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Diesen zu widersprechen, ist und bleibt demokratische Bürgerpflicht.

Was macht Leute aggressiv?

Viel spannender aber ist die Frage danach, woraus der innerste Glutherd dieses Gesellschaftsbrandes besteht. Was macht die Leute aggressiv, was lässt sie aufeinander losgehen? Auf welche glühende Kohle wird der sprachliche Brandbeschleuniger ausgegossen?

Dieser Frage gehe ich nun schon ein paar Jahre nach und immer wieder stoße ich bei meiner Suche auf den gleichen Anfang: Der Egoismus. 90,7 Prozent der Deutschen sagen, der Egoismus zähle in unserer Gesellschaft mehr als der Zusammenhalt. Selten kommt ein so eindeutiger Wert bei einer Umfrage über unsere Gesellschaft heraus. Auch die Konfliktforschung zeigt: Konkurrenz macht aggressiv.

Was die Kirche leisten kann

Deshalb lohnt der Blick auf unsere Gesellschaft und wie sie sich in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt hat. Immer mehr Gesellschaftsbereiche wurden ökonomisiert. Immer mehr Konkurrenz herrschte. Selbst der Sozialstaat wurde immer mehr in ein System der Eigenvorsorge verwandelt. Es wurde die Pflicht gepredigt, an sich selbst zu denken.

Dass dieses Denken uns in die Krise führt, ist offenbar. Denn wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt sinkt, dann werden die Ränder gestärkt. Genau hier kann die Kirche Verantwortung übernehmen. Wo immer sie Menschen dazu bewegt, einen Dienst am anderen zu tun, da stärkt sie das Miteinander, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft so schmerzlich vermissen.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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