FLUCHT UND MIGRATION

Nach Protest der koptischen Gemeinde: Gericht stoppt Abschiebung

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Der Ägypter gilt als gut integriert, seine Ehefrau liegt derzeit im Krankenhaus. Jetzt zog das zuständige Verwaltungsgericht die Notbremse.

Von KNA

Update, 13. Februar 2026, 17.59 Uhr: Ein ägyptischer Familienvater aus der koptisch-orthodoxen Gemeinde Münster darf vorerst in Deutschland bleiben. Eine für Freitag geplante Abschiebung ist in letzter Minute gestoppt worden, wie ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Münster auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bestätigte. Demnach gab das Gericht am Freitag einem Eilantrag des Mannes statt und untersagte der zuständigen Ausländerbehörde, die Abschiebung durchzuführen. Grund seien die aktuell schwere Erkrankung der Ehefrau und der Schutz der Familie, heißt es in einem Schreiben des Gerichts, das der KNA vorliegt. (KNA)

Koptische Gemeinde protestiert in Büren

Erstmeldung, 12. Februar: Mitglieder der koptisch-orthodoxen Gemeinde Münster haben am Donnerstagnachmittag vor einer Abschiebehaft in Büren (Kreis Paderborn) gegen die drohende Abschiebung eines ägyptischen Familienvaters protestiert. Nach Angaben der Kirche befindet sich der Mann, der Mitglied der Gemeinde ist, derzeit in der Haftanstalt und soll bereits am Freitag abgeschoben werden, obwohl er berufstätig und gut integriert sei.

Die Familie lebt nach Angaben der Gemeinde seit rund vier Jahren in Deutschland. Die Ehefrau des Mannes werde aktuell nach einem lebensbedrohlichen Zustand stationär im Krankenhaus behandelt. Die beiden minderjährigen Töchter seien schulpflichtig und derzeit bei einer anderen koptischen Familie untergebracht. Die Kirche sieht den Zusammenhalt der Familie durch die Abschiebung gefährdet.

Abgelehnte Duldung

In einem Schreiben der zuständigen Ausländerbehörde, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, heißt es, dass keine rechtlichen oder tatsächlichen Gründe vorlägen, die eine Aussetzung der Abschiebung rechtfertigten. Ein Antrag auf Erteilung einer Duldung sei geprüft und abgelehnt worden. Vorgesehen sei eine gemeinsame Rückführung der Familie nach Ägypten, was aus Sicht der Behörde dem Kindeswohl dient.

Der koptisch-orthodoxe Bischof für Norddeutschland, Anba Damian, war selbst zu der Kundgebung nach Büren gekommen und rief die zuständigen Behörden auf, den Fall erneut zu prüfen. Es gehe ihm nicht um die allgemeine Lage in Ägypten, sondern um die aktuelle Situation der Familie, betonte er im Gespräch mit der KNA.

Bischöfliche Warnung

„Die Frau liegt im Krankenhaus, die Kinder sind ohne ihre Eltern, und der Mann soll abgeschoben werden, obwohl er gearbeitet und seinen Lebensunterhalt selbst verdient hat“, sagte Damian. Die Kinder seien in der Schule erfolgreich, die Mutter habe Aussicht auf einen Ausbildungsplatz. Eine Abschiebung der Mutter sei in ihrem derzeitigen Gesundheitszustand nicht vertretbar. „Eine Abschiebung des Mannes würde die Familie auseinanderreißen.“

Der Bischof zeigte Verständnis für staatliche Rückführungen, forderte jedoch eine andere Schwerpunktsetzung. „Es ist nachvollziehbar, dass Deutschland abschiebt, aber der Fokus sollte zuerst auf Kriminellen und Straftätern liegen“, sagte er.

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist eine der ältesten christlichen Kirchen der Welt und hat ihren Ursprung in Ägypten. In Deutschland leben nach Schätzungen rund 10.000 bis 15.000 koptisch-orthodoxe Christen.

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