Pfarrer: Weiter Ausbeutung in der Fleischindustrie

Kossen: Hilfen für Flüchtlinge und Arbeitsmigranten besser vernetzen

Zu einer besseren Vernetzung der Flüchtlingshilfe in Zusammenarbeit mit Arbeitsmigranten ruft Peter Kossen aus Lengerich auf. Der Sozialpfarrer engagiert sich seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in der Fleischindustrie.

Über Rückmeldungen der Caritas-Beratungsstellen im Oldenburger Land habe er erfahren, dass die Arbeitsmigranten dort nach wie vor hohem Druck, niedrigen Löhnen und mangelndem Arbeitsschutz ausgesetzt seien: „Es hat sich nichts verändert, alles wie gehabt, nur, dass jetzt Flüchtlinge die Opfer sind“, erklärte Kossen in einer Pressemitteilung.

Kossen: Verätzungen am ganzen Körper

Peter Kossen.
Prälat Peter Kossen spricht heute Abend auf Einladung des Landescaritasverbandes Oldenburg im Antoniushaus Vechta. | Foto: Michael Rottmann

Die Fleischindustrie mit Großschlachthöfen in Wildeshausen, Alhorn und Lohne behandle „im großen Stil Arbeitsmigranten wie Maschinen, die man bei externen Dienstleistern anmietet, benutzt und nach Verschleiß austauscht“, kritisierte Kossen und nennt Betriebe, die es aus seiner Sicht besser machen: „Mit Ausnahme wie Brand in Lohne, Schulte in Lastrup oder Böseler Goldschmaus in Garrel weigern sich die Unternehmen, Verantwortung für die Arbeits- und Lebensbedingungen der eingesetzten Arbeitskräfte zu übernehmen.“ Dazu gehörten Verätzungen am ganzen Körper.

Inzwischen würden die Arbeitskräfte aus immer ärmeren Regionen Osteuropas rekrutiert. Erst seien es Menschen aus Polen, später aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien gewesen - jetzt kämen sie aus Moldawien oder der Ukraine. „Dann ist ihr Einsatz nicht selten illegal“, erklärte Kossen, „oder man verlegt sich darauf, geflohene Menschen anzuwerben und auszubeuten.“

Kossen: Flüchtlingshelfer könnten auch Arbeitsmigranten helfen

Der vom Lengericher Pfarrer gegründete Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ will durch ein Netzwerk von Juristen und juristisch geschulten Ehrenamtlichen den Rechtsweg für Arbeitsmigranten leichter zugänglich machen: „Das beginnt damit, dass Anträge bei Gericht für Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe übersetzt und Menschen, die kein Deutsch sprechen, bei der Antragstellung unterstützt werden.“

Kossen bittet nun darum, dass die Gruppen und Einzelpersonen der Flüchtlingshilfe überall im Land ihr Engagement ausweiten auf die große Gruppe der Arbeitsmigranten. In mindestens einem Ort überlege die Flüchtlingshilfe, ob das leistbar sei: „Die Fachkenntnisse darüber, was zu einer gelingenden Integration in unsere Gesellschaft nötig ist wie Sprachkurse, Behördenkontakte, Wohnungssuche, Zugang zu Sportvereinen und anderen Freizeitaktivitäten – diese Fachkenntnisse bringen die Engagierten der Flüchtlingshilfe mit. Und die Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa brauchen sie so dringend und finden bisher fast nichts davon vor.“

Vortrag:
Der Landescaritasverband Oldenburg lädt heute, 29. Oktober, 19.30 Uhr in das Antoniushaus in Vechta ein. Peter Kossen spricht dort „Zur Situation von (EU-)Arbeitsmigranten im Oldenburger Land“.