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Das kleinste katholische Haus im Oldenburger Land gibt bereits auf, nun kommt die Krankenkassen-Reform. Sie bedroht Notaufnahmen und Geburtshilfen.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fürchtet, ein Drittel der Kliniken werde das beschlossene Krankenkassen-Sparpaket nicht überleben. "Wir müssen damit rechnen, dass noch mehr Kliniken in die Schieflage geraten", sagt Vorstandschef Gerald Gaß der "Rheinischen Post". Die Reform senke die Kreditwürdigkeit der Häuser, es drohe eine Insolvenzwelle. Schon jetzt hätten viele Kliniken nur liquide Mittel für vier Wochen.
Vergangene Woche hatte das katholische St.-Bernhard-Hospital in Brake im Oldenburger Land angekündigt, im Lauf des Herbsts den Betrieb einstellen zu müssen. Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hatte nicht zu einer tragfähigen wirtschaftlichen Perspektive geführt. Das Krankenhaus im ländlichen geprägten Kreis Wesermarsch war mit rund 100 Betten das kleinste katholische Krankenhaus im niedersächsischen Teil des Bistums Münster.
Geburtsstationen und Notaufnahmen in Gefahr
Auch DKG-Experte Gaß sagt, besonders bedroht seien Grund- und Regelversorger in ländlichen Regionen. Als Erstes würden Kliniken schwer planbare Bereiche wie Notaufnahmen, Geburtshilfen und Kinderstationen schließen; sie seien "die größten Verlustbringer".
Schon jetzt gebe es bundesweit nur noch 570 Geburtshilfen, früher seien es knapp 1.200 gewesen. 61 Prozent der Geburtshilfen drohten nach einer Umfrage unter den Klinikträgern wegzufallen, erklärt Gaß. Die Krankenhausgesellschaft rechne zudem damit, dass jeder zweiten Notaufnahme das Aus droht. Zurzeit gebe es 1.000 stationäre Kliniken mit Notaufnahme.
Klinik-Vertreter: Wir müssen Personalkosten sparen
Gaß kritisiert zudem, dass Tariferhöhungen nur noch zur Hälfte erstattet werden sollen. "Wir gehen davon aus, dass die Kliniken zehn Prozent der Personalkosten einsparen müssen", so der Verbandsvertreter. Das bedeute mittelfristig 140.000 Beschäftigte weniger.
Bundestag und Bundesrat hatten am Freitag die Reform der gesetzlichen Krankenkassen verabschiedet. Versicherte sollen höhere Zuzahlungen für Medikamente, Hilfsmittel und Klinikaufenthalte leisten und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner in Kauf nehmen.
Die Kliniken müssen laut Gaß insgesamt einen Verlust von acht Milliarden Euro verkraften. Er rief die Länder auf, vier Milliarden Euro für Krankenhäuser aufzubringen, der Bund solle bei Deregulierung und Entbürokratisierung Ernst machen: "Sonst gibt es ein kaltes Kliniksterben zulasten der Patienten und Regionen".