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Die Restaurierungs-Geschichte eines Wegkreuzes am Niederrhein

Kreuz-Korpus fehlte – da musste ein Berufspendler einfach helfen

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Seit 23 Jahren kommt Hans-Gerd Willems aus Kevelaer-Twisteden fast täglich auf der Strecke zu und von seiner Arbeitsstelle an mehreren Wegkreuzen vorbei. Dann fällt sein Blick zum Kreuz. Sein Gedanke dabei sei immer: „Danke Herr Jesus Christ, dass du für mich, für uns gestorben bist.“

Vor etwa zwei Jahren fiel Willems jedoch auf, dass einem Wegkreuz an der Bundesstraße 9 zwischen Geldern und Kevelaer gegenüber der Einmündung Winternam der Korpus fehlt. „Zuerst habe ich gedacht, dass der Korpus restauriert wird. Als aber nach einigen Monaten der Korpus noch immer fehlte, habe ich bei einer Familie geklingelt, die dem Wegkreuz am nächsten wohnt“, erzählt Willems. Dort habe er die Antwort erhalten, dass wohl einer der Kölner Pilger, die hier an dem Kreuz auf dem Weg nach Kevelaer Station machen, den Korpus zur Restaurierung abgenommen habe.

Korpus wurde entwendet

„So war ich fürs Erste beruhigt und habe auf den Tag gewartet, an dem das Wegkreuz wieder in altem Glanz erstrahlen würde“, sagt Willems. Allerdings verging wieder ein Jahr, und das Kreuz war noch immer nicht komplettiert.

„So habe ich mich quasi in Winternam durchgefragt und gelangte zu Arno Leurs, auf dessen Acker das Kreuz steht.“ Leurs erzählte ihm, dass er den besagten Acker auf Erbpacht 1999 gekauft habe. Durch den Kauf hatte er auch die Verpflichtung übernommen, sich um das Wegkreuz zu kümmern und es instand zu halten.

2002 hatte die Familie Leurs das Glaubenszeichen von Grund auf restauriert und einen neuen Korpus angebracht. Auch nach einer Schändung wenige Jahre später richtete Leurs das Kreuz wieder auf. „Doch dann wurde der Korpus entwendet, und bei Arno Leurs ging verständlicherweise die Bereitschaft verloren, das Wegkreuz zum dritten Mal wieder herzurichten“, gibt Willems das Gespräch mit dem Landwirt wieder.

Messdiener halfen bei Restaurierung

Ein Kreuz aus Acryl dient zum Schutz des neuen Korpus. | Foto: privat
Ein Kreuz aus Acryl dient zum Schutz des neuen Korpus. | Foto: privat

Mit Einverständnis der Familie Leurs trat dann Hans-Gerd Willems an die Pfarrei St. Dionysius Kerken heran, um nachzufragen, ob in der Gemeinde vielleicht noch ein Korpus vorhanden sei, den man an diesem Wegkreuz anbringen könnte. „Das war nicht der Fall, und so überließ man mir die Entscheidung, das Kreuz auf eigene Kosten wieder herzurichten. Und falls nicht, dann würde die Pfarrei St. Dionysius das Wegkreuz so belassen wollen“, erzählt Willems.

Schließlich baute er mit Einverständnis der Pfarrei und der Familie Leurs das Kreuz im Juni 2020 ab und nahm es mit nach Hause. Im August konnte er dann während einer Gruppenstunde mit den Messdienern seiner Gemeinde St. Quirinus in Twisteden das Holzkreuz für die weitere Bearbeitung abschleifen.

„Der Anfang für eine Restaurierung war gemacht. Noch nach der Gruppenstunde fuhr ich mit dem Kreuz auf meinem Anhänger zum Kunstmaler Hans Rommen, der auch in Twisteden wohnt und Kevelaers letzter Polychromeur ist, um zu fragen, ob er vielleicht einen passenden Korpus in seiner Werkstatt für mich hätte“, erzählt Willems.

Schutz durch ein weiteres Acrylkreuz

Rommen hatte für diese Kreuzgröße keinen passenden Korpus im Fundus. Aber er konnte über einen befreundeten Großhändler einen passenden besorgen. Bereits am 31. August konnte Willems einen unbemalten Korpus bei ihm abholen und prüfen, ob die Größe richtig ist. Der neue Korpus passte perfekt auf das mittlerweile abgeschliffene und für den Anstrich vorbehandelte Kreuz.

Schon Anfang Oktober konnte Hans Rommen sein Meisterstück präsentieren. „Er hat sich bei der Bemalung mehr als nur Mühe gegeben. Er hat wirklich ein Kunstwerk abgeliefert“, lobt Willems, der dann in den folgenden Monaten das Holzkreuz in mehreren Schritten zweifarbig strich und ein Acrylkreuz zum Schutz vor Beschädigungen und vor Wettereinflüssen anfertigen ließ.

Segnung im Beisein der Nachbarschaft

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Mitte März 2021 war alles fertig, und so konnte Willems unter Mithilfe von Pete Davies-Garner das Wegkreuz am Karfreitag wieder aufstellen. Anfang Mai segnete Pfarrer Christian Stenz aus Kerken im Beisein der Nachbarschaft und der Helfer das Glaubenszeichen. Willems sagt: „Und jetzt, wenn ich an diesem Ort vorbeikomme, dann kann ich wieder grüßen und sagen: Danke Herr Jesus Christ, dass du für mich, für uns gestorben bist.“

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