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Rheinischer Präses Latzel fordert NRW-Innenminister Reul zur Aufklärung auf

Kreuzweg für die Schöpfung: Polizeieinsatz in Hamm beschäftigt Politik

  • Der Einsatz der Polizei gegen Angehörige einer Pilgergruppe auf dem "Kreuzweg für die Schöpfung" wird ein politisches Nachspiel haben.
  • NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die Aufklärung der Vorfälle angekündigt.
  • Auch die Polizei Hamm reagierte auf die Anschuldigungen der Pilger.
     
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Der Einsatz der Polizei gegen Angehörige einer Pilgergruppe auf dem "Kreuzweg für die Schöpfung" hat ein politisches Nachspiel. Der rheinische Präses Thorsten Latzel hat den nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul (CDU) um eine Klärung der Vorfälle in Hamm gebeten. Der Minister habe die Klärung zugesagt, sagte ein Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland am Montag in Düsseldorf.

Polizeikräfte hatten am Freitag in Hamm den "Kreuzweg für die Schöpfung" gestoppt. Zunächst sei die Gruppe einer Streifenwagenbesatzung auf der Lippestraße in Hamm aufgefallen, erklärte ein Polizeisprecher auf Nachfrage von "Kirche-und-Leben.de". Im weiteren Verlauf habe der Einsatzleiter die Entscheidung getroffen, dass es sich um eine Versammlung unter freiem Himmel handele. Der Pilgerweg wurde daraufhin am Schloss Oberwerries unterbrochen. Nun erklärte das Innenministerium, Minister Reul habe sich "sofort gekümmert". Die Polizei kündigte eine interne Nachbereitung des Einsatzes an.

Polizei reagiert auf Vorwürfe der Pilgergruppe

Die Organisatoren des Kreuzwegs hatten kritisiert, die Polizei sei "mit völlig unangemessener Härte" gegen die Pilgerinnen und Pilger vorgegangen. Unter anderem seien Polizisten mit gezogenem Schlagstock auf die Menschen zugegangen, andere hätten Pfefferspraydosen auf sie gerichtet. Die Polizei Hamm teilte am Montag mit, dass einige Polizeikräfte aus Eigensicherungsgründen "Einsatzmehrzweckstock und Pfefferspray" bereithielten, jedoch nicht einsetzten.

Zu dem Vorwurf, eine ältere Pilgerin sei zu Boden gestoßen und am Kopf verletzt worden, erklärte die Polizei, Teilnehmer hätten sich den Einsatzkräften in den Weg gestellt, als die Identität eines 26-Jährigen festgestellt und sein Smartphone sichergestellt werden sollte. Der Mann stehe im Verdacht, ein Gespräch der Beamten unerlaubt aufgezeichnet zu haben. Nach wiederholter Zwangsandrohung seien vier Personen von den Beamten zur Seite gestoßen worden, wobei zwei zu Fall kamen. Diese hätten es aber abgelehnt, dass die Polizei einen Rettungswagen ruft. Die Organisatoren des Pilgerwegs hatten den Beamten vorgeworfen, ihrerseits zum Alarmieren eines Krankenwagens nicht bereit gewesen zu sein.

Minister Reul setzt sich für Pilger ein

Die Polizei erklärte außerdem auf Nachfrage von "Kirche-und-Leben.de", dass durch die "Plakate mit umweltpolitischen Aussagen" ein Versammlungscharakter entstanden sei. Dabei sei es um Botschaften wie "Atomkraft - nein danke" und "Stoppt Braunkohle" gegangen. Man habe die Gruppe nicht auflösen, sondern "in den rechtlichen Rahmen einer Versammlung" einordnen wollen, was diese jedoch unter Berufung auf die Ausübung der Religionsfreiheit abgelehnt habe.

Nach der Kontrolle konnte die Gruppe nach eigenen Angaben den Weg fortsetzen. Das sei das Ergebnis des Einsatzes von Minister Reul gewesen, erklärte das Innenministerium.

"Kreuzweg für die Schöpfung" mit langer Tradition

Die Organisatoren erklärten, die Pilger hätten auf ihrem weiteren Weg nur noch explizit religiöse Transparente zeigen dürfen, nicht jedoch ein Banner mit einem Zitat von Papst Franziskus "Diese Wirtschaft tötet" und ein Hungertuch von Misereor, das den gebrochenen Fuß eines in Santiago de Chile von Angehörigen der Staatsgewalt verletzten Demonstranten zeigt. Dem widersprach die Polizei: Das Tragen dieser beiden Banner "mit nicht eindeutig politischen Inhalten" sei "zu keinem Zeitpunkt beanstandet" worden.

Nach Angaben der Evangelischen Kirche im Rheinland hat der "Kreuzweg für die Schöpfung" eine mehr als 30-jährige Tradition. Christinnen und Christen setzten sich aus ihrem Glauben heraus für die Bewahrung der Schöpfung ein. Der von kirchlichen und Umweltinitiativen organisierte rund 500 Kilometer lange Kreuzweg war am 4. Juli am verhinderten Atommüllendlager im niedersächsischen Gorleben gestartet und soll bis zum 1. August nach Erkelenz-Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler II führen.

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