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Trotz der Waffenruhe gehen die israelischen Luftangriffe auf das Land weiter. Wie Michel Constantin von der Päpstlichen Mission die Lage einschätzt.
Die aktuelle Situation im Libanon ist nach Worten des Regionaldirektors der Päpstlichen Mission für Libanon, Syrien, Irak und Ägypten, Michel Constantin, dramatisch. „Alle haben Angst, jeder Ort im Libanon ist in Gefahr“, sagte Constantin am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur. Besonders prekär ist laut dem Hilfswerkschef die Lage der im Südlibanon verbliebenen Christen.
Die Hoffnung auf eine Entspannung im Libanon durch die vereinbarte Waffenruhe im Iran habe sich nicht erfüllt. Israel sei nicht bereit, eine Waffenruhe auch für den Libanon einzuhalten. Stattdessen würden die Angriffe schlimmer. „Eigentlich sehen wir kein Licht am Ende des Tunnels“, so Constantin.
Während bisher vor allem schiitische Gemeinden ins Ziel Israels geraten seien oder mit „technisch sehr präzisen Waffen“ gezielte Anschläge auf eine bestimmte Person durchgeführt worden seien, habe der israelische Beschuss von Mittwoch eine neue Qualität erreicht. „Es ist also das erste Mal, dass wir im Herzen von Beirut ohne Vorwarnung einen solchen Beschuss erleben“, so Constantin. Darunter seien auch sunnitisch dominierte Gebiete der Stadt gewesen.
Wachsende Spannungen
Der breite Beschuss und Zwischenfälle wie die Tötung von Vertretern der radikal gegen die Hisbollah ausgerichteten „Christlichen Libanesischen Streitkräfte“ sorgen laut dem Hilfswerkschef zu großen Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft und lassen die Gefahr eines Bürgerkriegs wachsen. „Die Schiiten können nirgendwo hingehen“, so Constantin. „Sie dürfen nicht zurück in den Süden oder nach Dahhiye, den südlichen Vorort von Beirut.“ Doch könnten sie auch nicht in andere Gemeinden gehen, weil deren Angst vor Angriffen enorm sei.
Die Lage im Südlibanon bezeichnete der libanesische Christ als sehr kritisch. Dort sind nach seinen Angaben zahlreiche Christen zum Schutz ihrer Häuser in ihren Dörfern geblieben, die besonders seit der Bombardierung der letzten Brücke über den Litanifluss am Mittwoch komplett vom Rest des Landes abgeschnitten sind. „Wir haben keine Korridore mehr zwischen den christlichen Gemeinden. Wir haben immer noch etwa 5.000 Familien in diesen Dörfern“, so Constantin. Das Problem sei, dass leerstehende Dörfer von Hisbollahkämpfern genutzt und in der Folge von Israel zerstört werden.
Schleppende humanitäre Hilfe
Zwei Gemeinden, darunter die Küstenstadt Tyros und das Maronitendorf Qlayaa im östlichen Bereich des Litaniflusses, habe man vergangene Woche erfolgreich mit Hilfslieferungen erreichen können. Eine Reihe von Dörfern am mittleren Litanifluss, darunter Rmeisch mit rund 1.500 christlichen Familien seien jedoch ohne eine Waffenruhe aufgrund der heftigen Kämpfe nicht erreichbar.
Auch die Spendenbereitschaft für humanitäre Hilfe bezeichnete Constantin als problematisch. Zwar versuche die Kirche, das Defizit auszugleichen, aber die Mittel seien sehr begrenzt. „Sie kann internationale, staatliche Hilfen, die in Millionen- und Hunderten von Millionenhöhe kommen würden, nicht ersetzen.“