Pfarrei setzt geistlichen Akzent vor Auftakt des Volksfestes

„Krippenfeier“ im Sommer zum Stoppelmarkt in Vechta

Es ist ein „Heiligabend“ der besonderen Art: Am Vorabend der offiziellen Eröffnung des Volksfestes Stoppelmarkt in Vechta kommen Menschen am Rande des Festgeländes zusammen und stimmen sich bei Bier und Bratwurst auf das Fest ein. Ein Treffen, das im Volksmund völlig selbstverständlich „Heiligabend“ genannt wird. Peter Havers, Pastoralreferent der Stadtgemeinde Mariä Himmelfahrt, stammt aus dem Ruhrgebiet. Ihm war die Tradition zunächst völlig fremd.

„An Heiligabend geht man in die Kirche“, sagt er. Warum solle dann nicht auch der Vorabend des Stoppelmarkts Zeit und Ort für einen Gottesdienst sein? Gut 30 Menschen kamen dafür am Mittwochabend auf einer Wiese am Rande des Festplatzes, in Sichtweite von Riesenrad und Achterbahn, Festzelten und Los-Buden zusammen. Für einen „Gottesdienst im öffentlichen Raum“, wie Havers diese Form nennt.

Auf freiem Feld

Havers ist überzeugt: „An Orten und in Momenten, die uns Menschen wichtig sind, begegnen wir Gott.“ Auch der Ort des Stoppelmarktes am Rande der Stadt sei für einen Gottesdienst mit weihnachtlichem Akzent passend: Dass Weihnachten mit Ereignissen auf einem Feld zu tun habe, sei schließlich nicht zu bestreiten.

WhatsApp
In der Heiligen Nacht war es ein Stern, heute folgten Interessierte dem Kurznachrichtendienst WhatsApp. | Foto: Johannes Hörnemann, bpv

Der genaue Ort des Gottesdienstes blieb bis zuletzt unklar. Denn auch die Menschen in der Heiligen Nacht hätten gesucht und einem Stern folgen müssen, um Jesus zu finden. Beim Stoppelmarkt 2017 folgten Interessierte Informationen auf dem Kurznachrichtendienst WhatsApp. Die setzten Peter Havers und sein Mitorganisator Benedikt Feldhaus, Referent für Junge Erwachsene im Bischöflichen Offizialat, In den Tagen vor diesem Gottesdienst ab. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen das Weihnachtsevangelium und anschließende Gespräche in kleinen Gruppen, „wie zwischen Menschen, die an der Theke über Gott reden“, sagt Havers.

Volksfest mit alter Tradition

Der Stoppelmarkt in Vechta ist nach Angaben der Stadtverwaltung eines der größten Volksfeste in Nordwestdeutschland. Im Jahre 1298 wurde der Stoppelmarkt erstmals urkundlich erwähnt; zunächst war er ein Viehmarkt. Jahr für Jahr trifft sich im August die ganze Stadt, um mit etwa 700.000 Gästen von Donnerstagabend bis Dienstagnacht zu feiern.

Über 500 Marktbeschicker sorgen mit ihren Fahrgeschäften, Buden, Ständen und Zelten auf 6,3 Kilometern Frontlänge für Unterhaltung. Beim traditionellen Montagsempfang der Stadt Vechta spricht dieses Jahr am 14. August Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).