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Die scharfe Kritik des Münsteraner Oberbürgermeisters an kirchlichen Verbänden sorgte für große Aufregung. Wie sich die Angesprochenen dazu verhalten.
Nach der Kritik des Münsteraner Oberbürgermeisters Markus Lewe (CDU) an den kirchlichen Verbänden hat der Kolping-Diözesanverband Münster eine Stellungnahme veröffentlicht. Die Äußerung vom Mittwoch befasst sich mit der Rolle kirchlicher Verbände in der Zivilgesellschaft. Lewes Name fällt darin jedoch nicht.
Kolping steht für Dialog bereit
„Wir begrüßen sehr, dass dieser Antrag zu konstruktiven, offenen und positiven Gesprächen zwischen Vorstandsmitgliedern des Kolpingwerks DV Münster und Bundestagsabgeordneten der CDU geführt hat“, heißt es. Man wolle zukünftig den „Dialog mit allen demokratischen Akteuren“ suchen oder verstärken. „Fern ab aller Meinungsunterschiede“ stünde das Kolpingwerk für einen „offenen, ehrlichen und demokratischen Meinungsaustausch […], der gerne auch demokratischen Streit und Dissens beinhalten“ dürfe.
Der ebenfalls von Lewe erwähnte Diözesanverband Münster der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) sagte auf Anfrage von Kirche+Leben: „Wir werden auf das Interview nicht eingehen.“ Eine Sprecherin verwies stattdessen auf ein Kirche+Leben-Interview mit der Münsteraner KFD-Geschäftsführerin Andrea Temming zur Kritik des Diözesanverbands an der KFD-Bundesvorsitzenden Mechthild Heil (CDU).
Kritik kirchlicher Verbände an den Plänen von Friedrich Merz
Der Münsteraner Diözesanvorstand des Kolpingwerks hatte Ende Januar „jegliche Zusammenarbeit mit der AfD“ ausgeschlossen. Man verurteile das Abstimmungsverhalten der Unionsfraktion und appelliere an alle „in politischer Verantwortung stehenden Mitglieder des Kolpingwerks, sich klar gegen eine Zusammenarbeit“ mit der Partei auszusprechen.
Eine ähnliche Stellungnahme hatte der KFD-Diözesanverband Münster Mitte Februar veröffentlicht. Man richte sich gegen das Abstimmungsverhalten der Union, die eine Mehrheit mit Stimmen der AfD „billigend und bewusst in Kauf genommen“ habe. Eine „Zusammenarbeit mit den Rechten“ sei nicht akzeptabel.
Markus Lewe kritisierte diese Äußerungen wiederum am Mittwoch in einem Interview mit dem Berliner Magazin „Cicero“ scharf. Diese seien „zum Teil in erheblichem Maße heuchlerisch und auch verletzend“. Den angesprochenen Verbänden ginge es nicht um eine „Debatte auf Augenhöhe“, sondern um eine „selbstgefällige First-Class-Moral“.