KULTUR

Absage von Missbrauchs-Theaterstück: Aktivisten protestieren in Osnabrück

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Das Stadttheater wollte „Ödipus Exzellenz“ nicht aufführen. Wie eine Veranstaltung gegen diese Entscheidung ablief.

Von KNA

Gegen die Absetzung des Stücks „Ödipus Exzellenz“ am Theater Osnabrück haben am Donnerstag gut 100 Menschen protestiert. Das Drama sollte sich in der kommenden Saison mit sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche befassen, war aber wegen Meinungsverschiedenheiten zwischen Regie-Team und Intendanz abgesagt worden. Mehrere Sprecher, darunter Betroffene von Missbrauch und Ensemble-Mitarbeiter, kritisierten die Entscheidung scharf.

Am Ende gehe es doch um „die gesamtgesellschaftliche Übernahme von Verantwortung für Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“, sagte die frühere Bundestagsabgeordnete Angela Marquardt als Moderatorin der Protestveranstaltung. „Dieser gesellschaftliche Diskurs darf durch die Einschränkung von Kunstfreiheit nicht behindert werden.“

Anliegen des Theaterstücks unstrittig

Intendant Ulrich Mokrusch hatte das Stück aus dem Spielplan genommen und das künstlerische Leitungsteam entlassen. Schauspieler Thomas Kienast kritisierte „das Verbot“ scharf: „Theater muss weh tun, wenn es wichtige Themen anzusprechen hat.“ Medienberichten zufolge hatte unter anderem die Darstellung eines Gottesdienstes auf der Bühne für Streit gesorgt. Das Anliegen des Stücks, Missbrauch in der katholischen Kirche zu thematisieren, sei dagegen unstrittig gewesen.

Der Regisseur des abgesagten Stücks, Lorenz Nolting, erklärte, auch die Kirche sei seiner Erfahrung nach an der Aufarbeitung von Missbrauch durchaus interessiert. Insofern sei es bedauernswert, dass kein Kirchenvertreter zur Kundgebung gekommen sei. Karl Haucke als Betroffener, der an der Inszenierung des geplanten Theaterstücks beteiligt war, kritisierte die Absage des Bistums: Dort habe man wohl den Eindruck, „nur verlieren zu können“.

Bistum Osnabrück wollte Begleitprogramm anbieten

Im Vorfeld hatte sich das Regie-Team um Regisseur Nolting bei Bistumsvertretern sowie der Universität Osnabrück auch über die Studie zum Umgang mit Missbrauch in der Diözese informiert. Laut Simon Kampe, Ombudsmann des Bistums für Betroffene sexualisierter Gewalt, hatte die Diözese sogar damit begonnen, ein Begleitprogramm zur „Ödipus“-Produktion zu entwerfen. Insofern sei die Absage des Theaterstücks „bedauerlich“.

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