Sternberg: Realitätsfern – KAB-Präses: Dokument der Angst statt Zukunft

Laien wütend über Vatikan-Papier zu Gemeindeleitung

Katholische Laien und Verbände im Bistum Münster und bundesweit lehnen die jüngste vatikanische Instruktion mit deutlichen Worten ab. Sie äußern Enttäuschung und Wut und werfen Rom Realitätsferne vor. Am Montag hatte der Vatikan verfügt, dass Laien von der Pfarreileitung ausgeschlossen bleiben sollen, und die Rolle des Pfarrers gestärkt.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sagte, die Instruktion verfehle die Realität der katholischen Kirche in Deutschland. „Das Bild der Pfarrgemeinde, die sich um den Pfarrer schart, wird – abgesehen von dem schiefen Ideal – schon durch einen Priestermangel unmöglich, der längst dramatische Züge angenommen hat. Es gibt die Priester nicht mehr“, so Sternberg in den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Zudem werde im Text die Vielfalt der Dienste nicht gesehen, die Laien verrichten.

„Wozu noch weitermachen?“

Die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, Kerstin Stegemann, sagte, das Papier löse „Wut, Unverständnis und Demotivation“ aus. „Wozu denn da noch weitermachen und an Reformen arbeiten, wenn es eine so klare Absage gibt?“, fragte sie sich im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. Sie habe erstmals überlegt, „wo meine Grenze ist“.

Ihre Geduld werde weniger, sagte die oberste gewählte Repräsentantin der Laien im Bistum. Zugleich rief sie zum Weitermachen auf. Sie könne jeden Engagierten verstehen, der enttäuscht und verärgert ist: „Das bin ich auch. Aber mir ist meine Kirche wichtig, dafür will ich mich weiter einsetzen. Und ich glaube daran, dass Veränderung noch möglich ist.“

KAB-Präses widerspricht römischer Sicht

Das Vatikan-Papier werde dem Einsatz der vielen Engagierten nicht gerecht, so Stegemann. Die Verantwortlichen im Bistum Münster und die deutschen Bischöfe rief sie auf, den eingeschlagenen Weg der Experimente und des Zutrauens in Laien weiterzugehen.

Der Präses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster, Pfarrer Michael Prinz, sagte, das Vatikan-Papier „entscheidet sich für die Angst und gegen eine Zukunft der Kirche“. Viele Katholiken in Deutschland hätten sich trotz Enttäuschungen immer wieder für die Kirche stark gemacht. „Rom scheint zu meinen, dass diese Menschen keinen Anteil haben an der Leitung der Kirche“, so Prinz.

„Wir sind Kirche“: Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur

Dem widerspricht der Präses: „Durch die Taufe wird jedem Christen Anteil daran geschenkt. Wir dürfen den Menschen unbedingt zutrauen, dass sie im Sinne Jesu unsere Kirche reformieren und leiten können.“ Der KAB-Diözesanpräses forderte Kleriker, Laien und Verbände auf, sich gemeinsam für Reformen in Deutschland stark zu machen.

Die Laienbewegung „Wir sind Kirche“ nannte das Papier den ungeheuerlichen Versuch, dringende Pastoralreformen auszubremsen, die Klerikalisierung und die „Zwei-Klassen-Kirche“ aufrechtzuerhalten. Die Bewegung sieht in der Instruktion den letzten „Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur“.