Früherer Bundestagspräsident über Autorität und Akzeptanz der Kirche

Lammert will mehr Mitentscheidung der Gläubigen in der Kirche

  • Der frühere Bundestagspräsident, der Katholik Norbert Lammert (CDU), empfiehlt der katholischen Kirche mehr Mitentscheidungsrechte für die Gläubigen.
  • Auch die Akzeptanz der Kirche hänge maßgeblich von ihrer Bereitschaft und Fähigkeit ab, „Neues anzunehmen und zuzulassen“.
  • Beim Synodalen Weg rät er, die Kirche solle sich entschließen, „sich aus der wohlwollenden Bevormundung von Seiten des Vatikan zu befreien“.
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Der frühere Bundestagspräsident, der Katholik Norbert Lammert (CDU), empfiehlt der katholischen Kirche mehr Mitentscheidungsrechte für die Gläubigen. „Die Kirche der Zukunft braucht kluge Hirten und eine aufgeklärte Herde, die sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst ist und davon Gebrauch macht“, sagte der Vorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung bei einer Online-Tagung der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. „Dabei wird man sicher unterscheiden und gleichzeitig eine intelligente Verbindung herstellen müssen zwischen Organisationsfragen und ethisch-moralischen Grundsatzfragen, für die man möglicherweise andere Partizipationsformen braucht.“

Der Politiker betonte: „Überall da, wo es um einen Interessensausgleich geht, sind demokratische Entscheidungsprozesse allen anderen überlegen.“ Zugleich räumte er ein: „Durch die Eröffnung der Mitwirkung von Vielen werden Entscheidungsprozesse komplexer und länger und führen häufig zu Kompromisslösungen. Jedoch wird dadurch auch regelmäßig die Urteilsfähigkeit im jeweiligen Sachverhalt erhöht und das Fehlerrisiko gesenkt.“ Bei autoritären Entscheidungsprozessen sei das eher umgekehrt.

„Sich aus der wohlwollenden Bevormundung von Seiten des Vatikan befreien“

Lammert sagte, es sei „ganz unübersehbar deutlich geworden“, wie sehr die Frage der Autorität der Kirche „von ihrer Fähigkeit und Bereitschaft abhängt, sich mitten in dieser Welt auf deren Herausforderungen und Fragen einzulassen und einzustellen“. Auch die Akzeptanz der Kirche hänge maßgeblich von ihrer Bereitschaft und Fähigkeit ab, „Neues anzunehmen und zuzulassen“.

Mit Blick auf den Reformdialog Synodaler Weg in der katholischen Kirche in Deutschland zeigte sich Lammert skeptisch. „Die jüngsten Äußerungen und Interventionen aus Rom bekräftigen meine Hoffnungen nicht“, sagte er. „Wir müssen am Ende tun, was wir glauben, verantworten zu können. Und wenn die katholische Kirche in Deutschland sich nicht entschließt, sich aus der wohlwollenden Bevormundung von Seiten des Vatikan zu befreien, wird auch der Synodale Weg nicht das angestrebte Ziel erreichen.“

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