Verband hat Empfehlungen für die Pfarreien

Landvolk-Bewegung beklagt „Wettrennen um Ackerflächen“

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein deutliches kirchliches Wort zu den immer höheren Pachtpreisen zu formulieren war. Pfarrer Bernd Hante, Diözesanpräses der Katholischen Landjugend-Bewegung (KLJB) und der Katholischen Landvolk-Bewegung (KLB), fand klare Worte, als er in einem Schreiben an die Kirchenvorstände im Bistum Münster die Preisentwicklung kritisch unter die Lupe nahm: „Unter den Bauern findet ein Wettrennen um die Ackerflächen statt. Energie, Veredlung und Ausbringung der Güllevorräte verursachen einen enormen Druck und führen dazu, sich gegenseitig zu überbieten und jegliches Augenmaß zu verlieren.“

Diözesanpräses Hante rät den Kirchenvorständen, Maß zu halten. Auch wenn sich mancherorts Preise von 1000 Euro pro Hektar erzielen lassen, sollte dies keine Vorgabe für die Pfarreien sein. Hantes Rat an die Kirchenvorstände: „Wählen Sie eine maßvolle Anpassung Ihrer Pachtpreise an die Wertsteigerung von Ackerland und stellen Sie sich nicht an die Spitze der Preisentwicklung!“

Aus Sicht des Seelsorgers sollte sich ein Abschluss des Pachtvertrags am Mittelwert der Pachtpreise orientieren. Dies sollte ausreichen, die Erlöse für die Pfarreien zu steigern und zugleich dem Preistreiben etwas entgegen zu setzen.

Die Empfehlung ist bei den katholischen Verbänden gut angekommen, weiß KLB-Diözesanreferent Ulrich Oskamp aus Münster. „Es war wichtig, dass ein Seelsorger die Empfehlungen ausspricht und nicht ein Verband. Es geht um die Verantwortung für ein soziales Miteinander in Dörfern und Bauerschaften.“

Oskamp ist Landwirt mit Leib und Seele. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Kirchenland im Spannungsfeld sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Interessen und mit Visionen einer künftigen Landwirtschaft. Er kennt die Herausforderungen, mit denen Landwirte umgehen müssen. In den nächsten Monaten tritt eine neue Düngeverordnung der Europäischen Union in Kraft. Sie bedeutet nichts anderes, als dass in Niedersachsen zusätzlich 100.000 Hektar Land und in Nordrhein-Westfalen 42.000 Hektar Land benötigt werden.

„Diese Flächen gibt es nicht. Der Preisdruck nimmt also zu. Einige Höfe halten den Druck nicht mehr stand und werden aufgeben“, sagt Oskamp. Der Zwang zum Strukturwandel werde fortgesetzt: „Landwirte wissen, dass sie mit dem Anpassungsdruck umgehen müssen. Bislang ist der Strukturwandel im Münsterland immer noch gut gelungen. Das muss aber nicht so bleiben.“

Oskamp befürchtet, dass in nächster Zeit Höfe pleite gehen werden. „Einige Höfe werden nicht mehr die Erlöse erzielen, die sie nach hohen Investitionen erzielen müssen. Es wäre eine neue Situation, wenn landwirtschaftliche Betriebe in die Insolvenz gehen.“

Damit es nicht soweit kommt, brauche es Vereinbarungen, „mit denen Landwirte leben können“ sagt Oskamp. Auch die Kirchen seien nicht nur als Besitzer von Grund und Boden daran beteiligt, Klärungen darüber herbeizuführen, was unter einem ethisch-verantwortungsvollem Umgang mit Land zu verstehen sei.

Runde Tische über „Kirche und Landwirtschaft“ wird es am 18. Oktober in Borken und am 1. Dezember in Freckenhorst geben. Mit einem Memorandum „Ohne Boden kein Leben“ wird die Deutsche Bischofskonferenz demnächst Empfehlungen zum Schutz des Bodens geben.