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Ausstellung in Köln mit Werken des Künstlers vom Niederrhein bis zum 20. September

Als Jesus in Kalkar lebte: Meister Arnt im Museum Schnütgen

Deitail aus dem Georgsaltar. | Foto: Stephan Kube
Der Georgsaltar aus der Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle ist in dem Zeitraum von 1483–1487 entstanden. Er befindet sich in der St. Nicolaikirche in Kalkar. Er zeigt Szenen aus dem Leben und Sterben des legendären Märtyrers, die in den Detaildarstellungen noch einmal hervorgehoben werden. | Foto: Stephan Kube
Deitail aus dem Georgsaltar. | Foto: Stephan Kube
Deitail aus dem Georgsaltar. | Foto: Stephan Kube
Matthias Szarata trägt vorsichtig die Büste des Bischofs Eligius aus der Kalkarer Schatzkammerzu den bereitstehenden Transportboxen. | Foto: Christian Breuer
Figur eines knienden Dieners aus dem Relief mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige. | Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln, M. Mennicken
Goldene Madonna, Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle | Foto: Stephan Kube
Engel mit den Arma Christi. | Foto: Stephan Kube

Wenn Meister Arnt im 15. Jahrhundert seine Werke schuf, lebte darauf Jesus auch schon mal in Kalkar. Arnt Beeldesnider gründete am Niederrhein eine reiche Bildschnitzerschule. Das Kölner Museum Schnütgen zeigt gerade 60 Werke des Künstlers.

Für Freunde dieser Kunstgattung ist die Ausstellung über Meister Arnt Beeldesnider aus Kalkar im Kölner Museum Schnütgen ein spannendes Ereignis. Denn Arnt Beeldesnider gilt als der Begründer einer reichen Bildschnitzerschule am Niederrhein. Die Ausstellung zeigt noch bis zum 20. September 60 Werke des Künstlers, der von 1460 bis 1491 lebte. Zu sehen sind dreidimensionale Gemälde, farbig gefasste Reliefbilder und zahlreiche größere und kleinere Einzelfiguren von Engeln, Heiligen und biblischen Figuren.

„Das Werk des Künstlers besticht durch seine Lebendigkeit, Themenreichtum und Erzählfreude“, erläutert Kim Mildebrath vom Museum Schnütgen. Meister Arnt lebte im ausgehenden Mittelalter. Diese Epoche war eine Blütezeit der Kunst, aber auch der Heimsuchungen. 1484 fielen vier Angehörige des Künstlers einer Pest-Epidemie zum Opfer. Meister Arnt wurde in diesen Jahren verschont, starb jedoch später 1491 in Zwolle.

Begleitet vom Generalvikariat Münster

Reinhard Karrenbrock, der als Kunsthistoriker im Bischöflichen Generalvikariat in Münster arbeitet, hat die Ausstellung wissenschaftlich begleitet. Meister Arnt hat nach seinen Studien zunächst in Kalkar, dann in Zwolle gelebt und nacheinander eine Werkstatt unterhalten – auch wenn der Meister nicht jede Figur selbst bearbeitet hat.

Bereits von Kalkar aus hat sich der Bildschnitzer einen guten Ruf erarbeitet. Die Werke seiner Bildschnitzkunst wurden von dem Künstler in seiner Werkstatt aus Eichenholz gefertigt, dem am Niederrhein vielerorts vorhandenen heimischen Material. Eichenholz wurde in dieser Region fast ausschließlich verwendet – anders als in Köln, wo zu dieser Zeit eher Nuss- oder Lindenholz verarbeitet wurde. Wissenschaftliche Untersuchungsmethoden, zum Beispiel die Bestimmung der Jahresringe, lassen oft eine jahrgenaue Datierung und eine regionale Zuordnung der ansonsten im Stil einheitlichen Bildwerke vornehmen.

Der Star unter den Schnitzern

Weitere Informationen unter: www.museum-schnuetgen.de.

Arnt Beeledesnider prägte den Stil der spätgotischen Plastik im nieder­rheinisch-niederländischen Grenzgebiet über Jahrzehnte hin. Der Künstler war so unentbehrlich, dass man ihn von Kalkar aus beauftragte, den 1480 begonnenen Georgsaltar weiterzuführen.

Er ist aber nicht nur für dieses Werk in Kalkar verantwortlich, sondern auch für die erste Phase des Hochaltars, den er bei seinem Tod 1491 unvollendet in seinem Atelier zurückließ. Sein Ableben sorgte bei der Kalkarer Kirchenleitung für einen Schock. Hatte man doch gerade erst eine größere Abschlagszahlung geleistet. Man sorgte dafür, dass die bereits fertig gestellten Teile nach Kalkar gebracht wurden.

Herausragend ist die Fähigkeit des Künstlers, mehrere Personen in den Gruppen lebendig und bewegend darzustellen. Sie haben nach Ansicht der Kustodin Karen Straub vom Museum Schnütgen einen geradezu erzählerischen Charakter. Es ist dem Bildschnitzer in außergewöhnlicher Weise gelungen, die überlieferten Ereignisse mit bildnerischen Mitteln umzusetzen, die szenischen Handlungen im Bildraum anzuordnen, die Figuren miteinander agieren zu lassen, sie als Charaktere zu gestalten und die Geschehnisse letztlich dem Betrachter nahezubringen.

Als Jesus in Kalkar lebte

„Der Charakter der bildlichen Erzählung wird nicht allein durch die Anordnung der Geschehnisse im Bildraum bestimmt, sondern auch durch die Darstellung von Bewegung innerhalb der Szenen und in der Art, wie die Figuren zueinander in Relation stehen“, so Straub. Sie hebt die Kunst des Meisters hervor, darzustellen, wie die Figuren interagieren.

Dem Betrachter werden nicht nur die verschiedenen Begebenheiten vor Augen gestellt, er wird unmittelbar mit einbezogen, meint Straub und verweist auf den Georgsaltar. „So verlegt der Bildschnitzer die Szenen aus dem Leben Christi und der Legende des frühchristlichen Märtyrers in seine Zeit und stellt die Figuren größtenteils in der Kleidung und Rüstung des 15. Jahrhunderts dar. Beim Georgsaltar situiert er die Geschehnisse gar vor die Tore Kalkars. Einzelne Marterszenen wie das Pfählen scheinen in der bildnischen Umsetzung durch mittelalterliche Bestrafungen angeregt zu sein.“

Meisterwerke aus Kirchen des Bistums

„Es ist eine einmalige Gelegenheit, die lebendige Kunst des Niederrheiners Meister Arnt anhand zahlreicher aus dem In- und Ausland zusammengeführter Leihgaben zu erleben“, sagt Museumsdirektor Moritz Woelk. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen die Leihgaben aus der Nicolaikirche in Kalkar. In Köln treffen sie auf die besten Werke von Meister Arnt aus den Museen in Paris, den Niederlanden und Belgien, aber auch auf viele Meisterwerke aus Kirchen im Bistum Münster wie in Emmerich, Kleve-Warbeyen, Bedburg-Hau, Dingden, Hamminkeln-Marienthal, Goch-Gaesdonk, Kranenburg-Mehr oder Xanten. „Für die einmalige Gelegenheit, dies alles zusammen betrachten und dabei die lebendige Kunst von Meister Arnt entdecken zu können, sind wir gerade den Gemeinden, die nun für mehr als ein halbes Jahr auf ihre Schätze verzichten, dankbar!“, sagt Woelk.

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