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Aktion gegen Verschwendung in der Heilig-Geist-Kirche Oldenburg

Lebensmittel-Tausch neben dem Beichtstuhl

  • Eine Oldenburger Kirche hat ein neues Regal für überschüssige Lebensmittel aufgestellt.
  • Jeder kann zum Beispiel zu viel eingekochte Marmelade, Gemüsekonserven, Mehl, Zucker oder Tee dort hineinlegen oder von dort mitnehmen.
  • Der Ortsausschuss der Gemeinde will damit ein Zeichen gegen Verschwendung von Lebensmitteln setzen.

 

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„Wie schön!“ Doris Haye hatte schon seit mindestens 15 Jahren keine eingemachten Pflaumen mehr gegessen. „Ich selbst mache keine Pflaumen ein“, erklärt sie. Probieren wollte sie trotzdem mal wieder welche. Also hat sie sich einfach mal ein Glas aus ihrer Kirche mitgenommen, genauer: aus dem neuen Regal an der Mauer zwischen Beichtstuhl und einem Marienbild mit Opferkerzen davor. Mal sehen, vielleicht stellt sie beim nächsten Besuch eines von ihren eigenen selbstgemachten Marmeladengläsern hinein.

Genau so ist das neue Projekt gedacht, das der Ortsausschuss des Gemeindeteils Heilig Geist der Oldenburger St.-Willehad-Pfarrei im Herbst gestartet und Projekt „Geben und Nehmen“ genannt hat. Am Erntedankfest hat die Gemeinde dafür das neue Regal im hinteren Teil des Kirchenraums aufgestellt. Da hinein kann seither jeder überschüssige Lebensmittel stellen oder sich etwas hinausnehmen, ganz nach Belieben.

Idee für das Tauschregal aus England mitgebracht

Das Hinweisschild
Das Schild, das in der Kirche auf die Aktion hinweist. | Foto: Jonas Haye

Doris Haye sitzt selbst im Ortsausschuss von Heilig Geist. Die Rechtspflegerin und Mutter von drei Kindern hatte Idee für das Projekt aus England mitgebracht. Auf der Insel habe das Ganze auch die Hilfe für Bedürftige im Blick. Das stand in Oldenburg jedoch zunächst nicht im Vordergrund. „Es geht eher um Nachhaltigkeit und darum Verschwendung zu vermeiden“, erklärt Doris Haye.

Mit diesem Ansatz traf sie bei der Vorstellung den Nerv der anderen im Ortausschuss. „Wir waren sofort Feuer und Flamme“, sagt zum Beispiel Gabriele Rieger-Heike und ergänzt: „Es ist der Gedanke, dass man wertvolle Lebensmittel nicht wegwerfen muss, weil sich ein anderer noch darüber freuen würde. Dass Menschen sagten: Mein Keller ist übervoll mit Eingemachtem. Von all den vielen  Marmelade-Gläsern gebe ich gerne mal etwas ab.“

Nur für haltbare Ware

Doris Haye lächelt: „Man kennt das ja: Der eine hat zu viel Kirschmarmelade, der andere zu viel Apfelkompott.“ Und ein anderer freut sich wie sie selbst, endlich mal wieder eingemachte Pflaumen zu probieren.

Bei der letzten Erntedank-Andacht hatten Gemeindemitglieder das neue Regal seiner Bestimmung übergeben.  Es ist ausschließlich für haltbare Ware gedacht, also Konserven, Einmachgläser, auch Dinge wie Tee. Auf eines achtet die Gemeinde: Das Ganze soll ein freies und kostenloses Angebot sein. „Deshalb steht auch bewusst keine Spendenbox neben dem Regal“, sagt Doris Haye. „Niemand soll sich irgendwie verpflichtet fühlen.“ Die Kirche ist von morgens gegen neun bis abends um fünf geöffnet.

Corona erschwert die Sache

Die Corona-Beschränkungen machen es nicht unbedingt einfacher, so ein neues Projekt bekannt zu machen. Derzeit dürfen maximal 48 Kirchenbesucher in die Gottesdienste der Heilig-Geist-Kirche kommen. Doch die Gemeindemitglieder in der Diaspora-Stadt sind im Moment sehr vorsichtig. „Es kommen eher weniger“, sagt Doris Haye und ergänzt: „Ohne Corona waren es oft 80 bis 100“.

Vielleicht liegt es auch daran, dass das Projekt im Moment noch „etwas schleppend“ anläuft, wie Pastoralreferentin Doris Liebermann meint. „Entweder haben wir es nicht richtig rübergebracht und müssen mehr Werbung machen“, sagt Gabriele Rieker-Heike. Ingrid Liebermann setzt auf Zeit. „Es muss sich vielleicht einfach nur noch mehr herumsprechen, dass es diese Möglichkeit gibt, auch unter Menschen, die wir sonst nicht erreichen.“

Das hätte dann auch den zweiten Effekt, den sich auch Doris Haye auf Dauer von dem neuen Angebot verspricht: „Dass Leute, die sonst nichts mit Kirche zu tun haben, einfach mal zum Bringen, Abholen oder Tauschen hineinkommen und sie für sich entdecken. Auch das gehört zur Idee des Projekts: die Kirche ins Bewusstsein zu rufen.“

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