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Zum Tod der langjährigen Familienbund-Vorsitzenden

Leidenschaftliche Anwältin für Familien: Elisabeth Bußmann ist tot

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Mit dem Tod der am 30. August 2022 in Isselburg im Kreis Borken gestorbenen Elisabeth Bußmann verliert die katholische Kirche eine leidenschaftliche Vertreterin für die Rechte und Belange der Familien. Über viele Jahre setzte sie sich dafür ein, dass jede Familie – unabhängig von ihrer jeweiligen Ausprägung – bestmöglich gelingen kann. Eine Würdigung.

Als im Mai dieses Jahres die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in Isselburg im Kreis Borken Elisabeth Bußmann für ihre langjährige Mitgliedschaft im Verband auszeichnete, war es für sie eine große Ehre. Die 72-jährige engagierte sich über Jahrzehnte in der örtlichen KAB. Im Bistum Münster war die langjährige Leiterin des Gottfried-Könzgen-Hauses in Haltern, der Bildungsstätte der KAB, als engagierte Pädagogin und Sozialexpertin geschätzt. Fast 30 Jahre bis zu ihrer Verabschiedung 2015 prägte sie die Bildungseinrichtung auf dem Annaberg und machte sie zu einem gastfreundlichen Tagungshaus nicht nur für die katholischen Verbände.

Ihr Engagement ist untrennbar mit dem Familienbund der Katholiken in Deutschland verbunden. Elisabeth Bußmann gehörte dem Verband seit 1994 an: zunächst als Beisitzerin im Präsidium, seit 1998 als Vize-Präsidentin und seit 2000 bis zur ihrer Verabschiedung 2014 als Präsidentin.

Kennerin der katholischen Soziallehre

In dieser Zeit übernahm sie viele weitere ehrenamtliche Funktionen, unter anderem den Vorsitz der Föderation der katholischen Familienverbände in Europa und die Mitwirkung beim Runden Tisch der Bundesregierung gegen Kindesmissbrauch.

Aus der Tradition der katholischen Soziallehre kommend, setzte sich die aus der Bauerschaft Herzebocholt stammende Bußmann leidenschaftlich für die Belange der Familien ein und forderte immer wieder eine bessere Familienpolitik, die den Leistungen der Familien gerecht werden soll.

Einsatz für gerechtes Steuersystem

„Familien haben einen Anspruch darauf, dass Staat und Gesellschaft ihre Leistungen anerkennen. Wir brauchen deshalb ein gerechtes Steuersystem, das Eltern steuerlich von allen Kosten für den Lebensunterhalt ihrer Kinder freistellt. Eltern mit geringem Einkommen benötigen ein entsprechendes Kindergeld“, hat sie einmal in einem Interview mit der Bistumszeitung „Kirche+Leben“ gesagt. Die Kinderarmut bezeichnete sie als den „größten Skandal in unserer Gesellschaft“.

In unzähligen Gesprächen, Verhandlungen und Veranstaltungen hat Bußmann ihre Stimme erhoben, wenn es darum ging, soziale Leistungen zu regeln. Sie prüfte die Gesetze hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Familien, beleuchtete kritisch die Koalitionsvereinbarungen der Regierungsparteien und mischte sich immer dann ein, wenn die Familien zu kurz kommen.

Ratschläge an die Politik

Ihre Meinung war immer eindeutig: „In unseren sozialen Sicherungssystemen muss die Erziehungsleistung der Eltern durch höhere Leistungen und geringere Beiträge honoriert werden. Familien brauchen Geld, Zeit und Infrastruktur“, hatte sie wiederholt den Politikern mit auf den Weg gegeben.

„Ohne Familien ist kein Staat zu machen“ – unter dieser Losung setzte sie sich dafür ein, dass Partnerschaft gelingen kann und Kinder sich entfalten können. Zu einer Bevormundung, wie eine Familienmodell auszusehen hat, hatte sie ihre eigene Meinung: „In unserer pluralen Gesellschaft entscheiden Eltern selbst, wie sie ihr Familienleben gestalten und organisieren.“

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