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Die Pandemie hat für Pflegeschüler viel verändert

Leidet die Pflege-Ausbildung unter dem Corona-Alltag in den Einsatzstellen?

  • Im Corona-Alltag der Pflege-Einrichtungen läuft vieles anders – auch für die Auszubildenden und Ausbilder.
  • Es muss improvisiert werden – Praxis- und Theorie-Ausbildung stehen vor Herausforderungen.
  • Selbstständigkeit, Hygiene-Wissen oder Krisenbewältigung sind neue Lernfelder.
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Die Maske ist das einzige, was sie wirklich stört, sagt Theresa Lückemeyer. „Damit einen Bewohner zu duschen, ist echt hart“, sagt die 19-Jährige aus Ostenfelde. Alle anderen Begleiterscheinungen in der Altenpflege während der Corona-Pandemie empfindet sie kaum als außergewöhnlich. Kein Wunder, ist sie doch erst im vergangenen September mit ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft angefangen. Einen normalen Arbeitstag ohne verschärfte Hygiene- und Kontaktmaßnahmen in einem Altenpflegeheim kennt sie also nicht.

Es sind aber nicht nur die FFP2-Masken, die bereits seit dem Frühjahr 2020 zur Grundausstattung der Pflegeschüler gehören. Es gibt eine ganze Reihe an Herausforderungen, denen sich die Auszubildenden genauso wie die Ausbilder stellen müssen. Ist unter diesen Umständen überhaupt ein regulärer Weg in den Pflegeberuf möglich?

Sie werden zu Experten

„Ich bin überzeugt, dass gerade durch die jetzige Situation ein absoluter Profi-Jahrgang heranwächst“, sagt Jonas Vorderwülbecke. Als Referent für Pflege und Pflegeausbildung der Caritas im Bistum Münster steht er mit vielen Ausbildungs- und Einsatz-Einrichtungen im Kontakt. „Gerade in Fragen der Hygiene, der Selbstständigkeit oder der Bewältigung von außergewöhnlichen Problemen werden die Auszubildenden dieser Jahrgänge zwangsläufig zu Experten.“

Sorgen um eine realitätsferne Ausbildung müsse sich keiner machen, sagt Vorderwülbecke. „Natürlich werden nach der Pandemie einige neue, gewöhnungsbedürftige Situation auf die jetzigen Auszubildenden warten.“ Viele Angebote, die sonst von ihnen begleitet würden, oder die Kommunikation mit den Angehörigen der Bewohner fanden zum Beispiel durch die Corona-Schutzmaßnahmen in anderen oder reduzierten Formen statt. „Das Kerngeschäft, die Pflege am Menschen, kann in vielen Bereichen aber auch während der Pandemie sichergestellt werden.“

Problem der Praxisanleitung

Wenngleich er durchaus Probleme sieht. Etwa in der so wichtigen Praxisanleitung in den Pflegeeinrichtungen. „Wenn durch Quarantäne, Krankheitsfälle oder auch durch vermehrten Einsatz in den Corona-Maßnahmen Fachkräfte zur Unterstützung abgerufen werden, fehlen sie in der Ausbildung.“ Die gesetzlich geforderten Zeiten der Anleitung der Auszubildenden sind so teils nur schwierig zu erfüllen.

Größere Sorgen macht sich Vorderwülbecke allerdings um die Lernsituation in den schulischen Blöcken. Einen Klassenverbund zum Präsensunterricht in die Schulen zu holen, um die Schüler nachher zur Praxis in mögliche Hotspots mit vielen Risikopatienten zu schicken, ist nicht verantwortbar. Die Folge ist, dass ein Großteil der Klassen im Home-Office sitzt. „Insbesondere zu Beginn der Pandemie hatten viele Auszubildende aber kaum die technische Ausrüstung, um die Lernaufgaben bewältigen zu können.“ Zudem sind einige Lerninhalte nur schwer via Internet zu vermitteln. „Mit einem Youtube-Video kann man das richtige Setzen einer Spritze nur bedingt einüben.“

Abschlussklassen stehen vor besonderen Herausforderungen

Eine besondere Herausforderung sind die Abschlussklassen, sagt Florian Heintze, Leiter der Caritas-Pflegeschule in Dorsten. „Wir waren seit März nicht mehr in den Pflege-Einrichtungen.“ In der Phase der Vorbereitung auf die Prüfungen gehören Besuche der Lehrer eigentlich dazu. Auch die Prüfungen selbst finden normalerweise vor Ort statt. „Derzeit werden die Situationen in unserer Schule realitätsnah nachgestellt.“ Was aber kein Ersatz sei für die echte Situation am Bett eines Pflegebdürftigen. „Da geht es auch um Nähe, Kommunikation und Empathie“, sagt Heintze. „Das kann in der gestellten Wirklichkeit kaum nachvollzogen werden.“

Der Motivation seiner Schüler hat das alles nicht geschadet, sagt der Schulleiter. „Sie definieren sich über ihren Einsatz für den Menschen.“ Und den können sie unter erschwerenden Corona-Maßnahmen vielleicht noch deutlicher zeigen. „Nähe ist auch mit Schutzmaske und -handschuhen möglich“, sagt Vorderwülbecke dazu. Bewohnern und Patienten suchen diese Nähe in der Pandemie besonders, sagt Pflegeschülerin Theresa Lückemeyer: „Ich spüre häufig ihre Angst vor dem Alleinsein.“ Corona bleibt damit eine harte Probe für die Auszubildenden. Aber auch ein Lernfeld mit vielen neuen und bereichernden Erfahrungen.

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