BIOETHIK

Theologe und Ex-Ethikrat Dabrock: Starres Leihmutterschafts-Verbot lockern

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Der evangelische Theologe lehnt eine "Liberalisierung" ab. Warum er aber auch am Pauschalverbot nicht festhalten will.

Von KNA, jjo

Der evangelische Theologe und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats von 2016 bis 2020, Peter Dabrock, fordert einen "verantwortbaren Umgang" mit Leihmutterschaft. Er sei gegen eine "Liberalisierung", aber auch gegen ein "pauschales Festhalten am gegenwärtigen Verbot", schreibt Dabrock in der Zeitschrift "Herder-Korrespondenz". Man müsse sehen, ob es "institutionelle Bedingungen geben könnte, unter denen Leihmutterschaft verantwortungsvoll durchgeführt werden kann".

Auch andere Reproduktions- und Familienkonstellationen seien "nicht risikoarm", so der Professor für evangelische Systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik an der Universität Erlangen. Es müsse gefragt werden, "welche rechtlichen und sozialen Arrangements geeignet sind, Verletzlichkeit zu schützen, Machtasymmetrien zu begrenzen und dennoch Freiheit zu ermöglichen".

"Selbstbestimmung der Leihmutter schützen"

An erster Stelle müsse "die uneingeschränkte Anerkennung der Leihmutter in ihrer Würde und Selbstbestimmung" stehen. "Sie darf weder auf ihre reproduktive Funktion reduziert noch zum bloßen Gegenstand vertraglicher Verfügungen werden."

Daraus folgten Ansprüche auf unabhängige Beratung, medizinische und psychosoziale Begleitung sowie auf rechtliche Sicherungen, die ihre Selbstbestimmung während des gesamten Prozesses schützten. "Zustimmung ist keine einmalige Willenserklärung, sondern muss der Dynamik einer Schwangerschaft Rechnung tragen", schreibt Dabrock. Verantwortung entstehe deshalb nicht allein durch Verträge, sondern durch Institutionen, die "Freiheit auch unter veränderten Bedingungen gewährleisten".

"Kind soll Entstehungsgeschichte kennen können"

Ebenso unverzichtbar sei "das Eigenrecht" des Kindes. "Es umfasst nicht nur den Schutz seines Wohlergehens, sondern auch die Möglichkeit, die eigene Entstehungsgeschichte zu kennen."

Herkunftswissen sei kein bloßes Informationsinteresse, sondern Teil personaler Identität, so der Ethiker und Theologe. Daraus folgten Anforderungen an Transparenz, Dokumentation und rechtliche Klarheit über Elternschaft, ohne die weder die Rechte des Kindes noch die Verantwortung der Erwachsenen angemessen bestimmt werden könnten.

Den "Markt" wirksam begrenzen

Auch sei es notwendig, den "reproduktionsmedizinischen Markt" wirksam zu begrenzen. "Weder Frauen noch Kinder dürfen zu reinen Objekten ökonomischer Interessen werden."

Das schließe "eine finanzielle Kompensation der erheblichen körperlichen und sozialen Belastungen einer Schwangerschaft keineswegs aus", schreibt Dabrock. Entscheidend sei, "dass wirtschaftliche Anreize nicht jene Verletzlichkeiten ausnutzen, von denen reproduktive Märkte vielfach leben".

Position der katholischen Kirche

Die aktuelle Debatte ausgelöst hatte die öffentliche Erklärung des CDU-Politikers Jens Spahn, sein Ehemann und er seien mithilfe einer US-Leihmutter Eltern geworden. Leihmutterschaft in Deutschland ist verboten.

Die katholische Kirche unterstützt das Verbot. Ebenso Spahns Partei und er selbst in früheren politischen Äußerungen, weswegen er als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurücktreten musste.

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