ÖSTERLICHER LEITARTIKEL

Leben nach dem Tod? Wie wird das sein?

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Jesus war tot, dann seine Auferstehung. Eine Zumutung, die Mut macht, sagt Pater Andreas Batlogg SJ.

„Wie wollen Sie eigentlich im Sarg liegen?“: eine irritierende Frage, aufs erste, man zuckt unwillkürlich zusammen. Vielleicht denken manche dabei an den Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ mit Hugh Grant. Oder an die Comedy-Serie „Mr. Bean“. „Wie wollen Sie eigentlich im Sarg liegen?“: Als ich das Foto mit der Frage sah, auf dem Programmflyer einer Akademie, dachte ich: eine brutale Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit! Endlichkeit bleibt der Kontrapunkt zu den Selfies des prallen Lebens: zur (Sehn-)Sucht nach einer Existenz in Gesundheit und Wohlergehen, beschwerde- und schmerzfrei natürlich. Abgesehen davon, dass Einäscherungen und in weiterer Folge Urnen die Erdbestattung mit Sarg vielerorts überholt haben.

Endlichkeit heißt Sterblichkeit: Mein Leben ist begrenzt. Das wissen wir, theoretisch. Praktisch verdrängen wir das oft – bis dann ein plötzlicher Todesfall, ein Unfall, eine Krebsdiagnose hereinbricht und wir schlagartig ans Sterben denken (müssen). Und an die Uhr, die tickt: Lebenszeit, die abläuft. Dass das Leben ein „Sterben auf Raten“ ist, ist eine biologische Tatsache.

Christen und die „die Kunst des Sterbens“

„Gut sterben – wie geht das?“: Gespräche über Todeserfahrungen sind, ebenso wie Nahtoderfahrungen, immer wieder ein Thema. Ebenso wie der assistierte Suizid. Die fünf Sterbephasen, die Elisabeth Kübler-Ross vor Jahren aufgebracht hat, gelten als Standard. Im Mittelalter sprach man nicht ohne Grund von der „ars moriendi“. Das Christentum hat „die Kunst des Sterbens“ kultiviert. Rituale sind dabei wichtig. Aber auch unter Christen ist diese Erfahrung verbreitet: Zwar wird das Thema Tod – allgegenwärtig durch Kriege, Naturkatastrophen, Unfälle und Krankheiten – nicht gemieden.

Aber verdrängt oder beschwiegen wird oft die Frage: Und dann? Kommt da noch was? Wie wird das sein? Auferstehung? Ewiges Leben? Von Seiten der Kirche(n) mag die Tabuisierung mit einer Jenseitsinflation zu tun haben. Es wurde jahrhundertelang oft – billig – vertröstet: „Jetzt geht es dir schlecht, aber später einmal, im Himmel …“. Mittlerweile hat das Pendel in die umgekehrte Richtung ausgeschlagen: Wir sind diesseitsfixiert und müssen aus dem Leben „rausholen“, was geht – „all inclusive“, aber eben „de luxe“.

Jesus war tot

„Positive Energie“, Marienerscheinungen oder Privatoffenbarungen sind für viele Christen wichtiger und „interessanter“ als die Frage nach einem Leben nach dem Tod. Auferstehung: Was heißt das? Wie geht das? Wiedergeburt ist damit nicht gemeint. Auch nicht Reanimation. Jesus war tot. Drei Tage lang. Tot, nicht scheintot. Aber als Maria von Magdala ans Grab kam, war es leer. Natürlich kam das Gerücht auf, Grabräuber hätten den Leichnam weggeschafft. Aber die Botschaft der Engel lautete: „Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“ So, wie er es vorausgesagt hat.

Und als er dann, wieder und wieder, in die Mitte der Seinen trat, zeigte sich: Der Auferstandene trägt Wundmale. Es ist derselbe Jesus, der zuvor gequält, gefoltert und gekreuzigt wurde. Am Kreuz ist er gestorben: Er verblutete und erstickte. Es dauerte, bis die Jünger und die Frauen um Jesus das glauben konnten.

Eine emotionale Zumutung

Wir weichen in Bilder und Metaphern des Frühlings aus. Es gibt keine echten Vergleichspunkte oder Erfahrungswerte. Aber die Frage bleibt: Will ich das glauben? Kann ich das als Christ glauben? Darf ich darauf vertrauen: „Da kommt noch was“? Wir haben uns diese Perspektive nicht selbst ausgedacht. Sie ist uns von Jesus zugesprochen – und auch zugemutet. Seit über 2000 Jahren schöpfen Menschen daraus Mut. Weil sie wissen: Das, was mir an irdischer Lebenszeit geschenkt ist, ist nicht alles. Das lässt bewusster leben. Entschiedener. Ernsthafter. Aber auch gelöster, im besten Fall.

Wie das einmal sein wird: Ob wir einander sehen, miteinander reden, essen, tanzen – ich weiß es nicht. Auch nicht, was „Auferstehung des Fleisches“ bedeutet, wenn zuvor der Körper durch Kremierung zerstört wurde und nicht langsam im Sarg verweste. Es ist nicht nur eine intellektuelle, sondern auch eine emotionale Zumutung. Mir kommt dabei immer wieder Paulus in den Sinn, der den Korinthern unmissverständlich klar machte: „Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube“ (1 Kor 15,12–14).

Der Tod ist keine absolute Grenze

Deutlicher geht’s nicht: Ohne Auferstehung wäre unser Glaube ein Placebo. Ein Narkotikum gegen das Leid der Welt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Auferstehung, aufstehen, Leben nach dem Tod … Das Unvorstellbare und deswegen für viele das Undenkbare bekennen Christen als das Zentrum ihres Glaubens. Damit steht und fällt alles: Der Tod ist keine absolute Grenze. Ein Toter, der wieder „da“ ist? Das Unglaubliche glauben: Das kann ich einüben! Die fünfwöchige Osterzeit lädt dazu ein. Ein praktischer Tipp: „Das Zeitliche segnen“ – Augenblicke, Momente anders wahrnehmen und schätzen (lernen), weil in ihnen eine Ahnung von Ewigkeit aufblitzen kann. Das ist eine Auferstehungserfahrung!

Wilhelm Bruners, Theologe und Schriftsteller, Priester und Poet in Mönchengladbach, schreibt in seinem Gedicht „ostern III“:

„einmal werden
die steine leicht
auf unseren gräbern
liegen

und leicht
werden wir uns erheben
aus dem staub und
über schwellen gehen
mit flügelschritt

ein wind wird uns
forttragen in den kreis
der wartenden und
brot und wein gehen
von mund zu mund“.

Fortgetragen werden in den Kreis der Wartenden: aus Tod, aus Tödlichem, aus Todbringendem – das traue ich Jesus zu. Das erlebe ich da und dort. Der Theologe Gotthard Fuchs sagt es so: „Gott ist Aussicht, nicht Auskunft.“ Aber mit dieser Aussicht kann ich leben – und sterben und auferstehen.

Frohe Ostern!

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