Am 27. Juli geht es los

„Libori“ in Paderborn – ein Stadt- und Kirchenfest mit Kultstatus

Immer in der letzten Juli-Woche beginnt in Paderborn so etwas wie die ostwestfälische fünfte Jahreszeit: „Libori“. Eine ganze Woche lang feiern Stadt und Kirche gemeinsam – mit festlichen Gottesdiensten vor allem im Dom und einer großen Kirmes auf dem Libori-Berg. Rund 1,8 Millionen Menschen kommen Jahr für Jahr, um die einzigartige Mischung aus Weihrauchschwaden und dem Duft gebrannter Mandeln zu erleben – in diesem Jahr vom 27. Juli bis zum 4. August.

Einzigartig ist auch der Ursprung dieses Festes: der heilige Liborius und sein Gedenktag am 23. Juli. Er war im vierten Jahrhundert Bischof im französischen Le Mans. Als Karl der Große und Papst Leo III. 799 das Bistum Paderborn gründeten und dafür Reliquien eines adäquaten Heiligen gesucht wurden, fiel die Wahl 836 auf den eins­tigen Bischof von Le Mans.

Was ein Pfau im Dom verloren hat

Mit dem heute französischen Bistum besteht seitdem weit mehr als eine Partnerschaft der beiden Diözesen und Städte: der „Liebesbund ewiger Freundschaft“ hat auch sämtliche Feindschaften zwischen Deutschland und Frankreich überdauert und gilt als einer der ältesten bestehenden Verträge in Europa.

Als die Gebeine des heiligen Liborius auf dem Weg nach Paderborn waren, soll der Legende nach ein Pfau vorangeflogen sein. Und so wird bis heute bei der feierlichen Erhebung der Libori-Reliquien zu Beginn des Libori-Festes ein Pfauenwedel vor dem goldenen Schrein getragen. Mitglieder der „Libori-Gilde“ in mittelalterlicher Tracht tragen ihn auf ihren Schultern durch den Dom – begleitet vom dreifachen Libori-Tusch.

Jeden Tag Gottesdienste mit bestimmten Gruppen

So beginnt am Samstag das Libori-Fest. Am Sonntag folgt eine Prozession samt Schrein durch die Paderborner Innenstadt, bevor die Reliquien am Dienstag in der Krypta beigesetzt werden.

Dessen ungeachtet werden an jedem Tag Pontifikalämter im Dom gefeiert: am Montag mit den Gästen aus Le Mans. Viele verschiedene Gruppen reisen zu „ihrem“ Tag inklusive Gottesdienst nach Paderborn: ebenfalls am Montag etwa die Frauen, am Dienstag das Landvolk, am Mittwoch Ordenschristen und Missionare, am Donnerstag die Senioren, am Freitag Kinder, Jugendliche und Ministranten, am Samstag Caritas-Mitarbeitende.

Viele Bischöfe zu Gast - frühere Paderborner, auch Münsteraner

Und nach dem Gottesdienst gibt es weitere Veranstaltungen – und natürlich einen Besuch des „Pottmarkts“ rund um den Dom, der Karussells und der vielen kulturellen Angebote wie Live-Musik auf zahlreichen Plätzen und Straßen der Stadt, Kabarett, Kleinkunst, Theater, Ausstellungen, Biergärten und -zelte, Feuerwerk und andere Begegnungsmöglichkeiten.

Traditionell nutzen viele Ex-Paderborner das Libori-Fest zum Heimatbesuch. Häufig kommen Bischöfe, die aus dem Erzbistum stammen – wie etwa der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. In diesem Jahr haben auch brasilianische Bischöfe ihr Kommen angekündigt – darunter der aus Visbek im Offizialat Oldenburg stammende Johannes Bahlmann.

Was Liborius mit Münster verbindet

Über den heiligen Liborius ist übrigens auch der Dom in Münster mit dem Erzbistum Paderborn verbunden. Gegenüber der berühmten Astronomischen Uhr steht nämlich eine Figur des Heiligen. Sie erinnert daran, dass Paderborner Domherren während des Dreißigjährigen Kriegs die Reliquien ihres Bistums­patrons nach Münster brachten, weil sie sie dort in Sicherheit glaubten. Der Legende nach soll Münster daher vergleichsweise wenig Zerstörung erlitten haben. Bis heute wird der goldene Bischofsstab der Figur jedem verstorbenen Münsteraner Bischof mit in den Sarg gegeben. Nach dem Tod von Reinhard Lettmann 2013 erhielt Liborius 2014 einen neuen Stab.

Und noch eine Verbindung gibt es: Der dreifach im Paderborner Dom erklingende Libori-Tusch stammt ursprünglich aus einem Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dessen Titel ist „Paulus“ – Patron des Doms in Münster.

Mehr zum Fest finden Sie unter www.libori.de.