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Spendengüter gibt es in Altenoythe bei Friesoythe genug

Litauenhilfe steht vor dem Aus – nur, weil ein Lager fehlt

  • Der Verein Litauenhillfe Altenoythe hat mit Hilfe der Dreifaltigkeitsgemeinde 23 Jahre Hilfsgüter nach Litauen gebracht.
  • Vor allem arme Dörfer an der russischen Grenze waren das Ziel.
  • Jetzt müssen sie ihre Arbeit einstellen – weil sie vor Ort keinen Lagerraum mehr finden.
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Spenden gibt es genug. Geld, Lebensmittel, gebrauchte Kleider, medizinische Geräte. Und alles wird dringend gebraucht. Von der Gemeindecaritas in litauischen Dörfern. Nur: Die Hilfsgüter finden ihren Weg nicht mehr dorthin.

Denn bevor die achtköpfige Gruppe der Litauenhilfe Altenoythe die Hilfsgüter auf den Weg bringen kann, müssen die zwischengelagert werden, dann sortiert und verpackt. Dafür brauchen die Helfer eine Halle. Und die finden sie nach 23 Jahren nun nicht mehr.

Überall gesucht

Helfer beladen einen Lastwagen.
Helfer aus Altenoythe beladen einen Lastwagen mit Hilfsgütern für Litauen. | Foto: privat

Hubert Blome ist ratlos. „Ich bin über Monate durch den Ort, habe überall gefragt.“ Der Sprecher der Litauenhilfe war 20 Jahre Küster an der Dreifaltigkeitskirche und kennt in Altenoythe jeden. Und er hat auch jeden gefragt. Ob der eine trockene geräumige Halle, einen Lagerraum bieten könne. Um Hilfsgüter zu lagern.

Umsonst. Nirgends war etwas zu finden. Denn nicht jede Scheune oder Halle ist geeignet. Zumindest trocken und sicher muss sie sein. Nach Monaten der Suche fand sich in Altenoythe nichts Passendes.

Genug Helfer, genug Spenden

Die Folge: Nach 23 Jahren gibt die Litauenhilfe Altenoythe im Frühjahr ihre Aktion auf. Obwohl es genug Helfer gibt und genug Spenden. Nur ein Lager fehlt.

Dabei war die Litauenhilfe in Altenoythe lange gut versorgt. Sie hatte eine ehemalige Scheune zur Verfügung, rund 600 Quadratmeter, mit beheizbaren Nebenraum für das Packen und Sortieren. Die aber wird seit zwei Jahren anders genutzt von den Eigentümern. Zwischenzeitlich fand die Gruppe Platz in einer ehemaligen Schmiede; die wird nun abgerissen. Und die Litauenhilfe steht vor dem Aus.

Ganze Gemeinde steht dahinter

Lagerraum in der ehemaligen Pfarrkirche St. Michael.
Hier war Lagerraum kein Problem: Die Malteser in Wilhelmshaven haben lange die ehemalige Pfarrkirche St. Michael als Lager für ihre Litauenhilfe genutzt. | Foto: Franz Josef Scheeben

Bitter, findet Hubert Blome. Denn die Litauenhilfe sei über die Jahre zu einer Aktion der ganzen Dreifaltigkeits-Gemeinde geworden. Durch finanzielle Unterstützung, aber auch mit spontanen Lebensmittelspenden.

Samstags vor der jeweiligen Fahrt stand das Team etwa vor dem Eingang des Supermarkts und verteilte Listen mit den notwendigen Lebensmitteln für Litauen. Nach ihrem Einkauf lieferten viele Altenoyther zusätzlich Gekauftes dann dort ab. „Oft haben wir davon 60 oder 80 Pakete gepackt“, erinnert sich Hubert Blome. Aber auch medizinische Geräte und anderes Material gehörten zu den Hilfsgütern.

Gezielt in arme Gebiete

Die Litauenhilfe begann in Altenoythe 1998, nachdem ein junger Geistlicher aus dem Land, Ginteras Urbstas, als Diakon in den Ort gearbeitet hatte. Die Helfer fuhren später immer mit Hilfsgütern in die Gemeinde, in der Pfarrer Urbstas jeweils arbeitete. Bis er in einen Vorort der Hauptstadt Kaunas zog. „Dort herrscht keine Not mehr“, berichtet Blome. In Dörfern an der russischen Grenze durchaus noch. Da waren auch Lebensmittel dringend gefragt. Diese Orte waren dann Ziel der sechs Männer und zwei Frauen aus Altenoythe mit ihrem 40-Tonnen-LKW.

Clemens Rottinghaus, in den 1990-Jahren Mitgründer der Litauenhilfe von Caritas und Maltesern im Oldenburger Land, bestätigt das. „Man darf sich nicht vom Wohlstand in den großen Städten täuschen lassen“, betont er. „Da gibt es durchaus westeuropäischen Standard. Aber auf dem Land herrscht in Litauen noch viel Elend.“

Vielleicht weiter als Partnerschaft

Michael Daemen
Michael Daemen, Referent für Auslandshilfe beim Diözesanverband Oldenburg der Malteser. | Foto: Dietmar Kattinger (lcv)

Bei den Maltesern im Landesverband Oldenburg ist Michael Daemen für den Auslandsdienst zuständig. Er findet es „sehr schade“, dass die Gruppe aus Altenoythe nur wegen fehlendem Lagerraum ihre Einsätze aufgeben solle. Er spricht mit deutlicher Hochachtung von dem jahrzehntelangem Einsatz der Gruppe und fragt sich, ob man die Einsätze nicht als Partnerschaft weiterführen könne.

Denn inzwischen gebe es in allen osteuropäischen Ländern ja feste Strukturen von Gemeindecaritas und eigenen Ehrenamtlichen, berichtet Daemen. An die könne man möglicherweise anknüpfen, das zeigten die Erfahrungen der oldenburgischen Malteser. „Wenn die dann konkret um eine ganz bestimmte Hilfe bitten, sind wir zur Stelle.“

Austausch und Jugend

Daemen denkt auch an Austausch-Projekte, die junge Menschen einschließen. So haben die Malteser in Wilhelmshaven zum Stadtfest „Wochenende an der Jade“ schon einmal junge Sanitäter aus Litauen für den gemeinsamen Sanitätsdienst eingeladen. Im Gegenzug waren Malteser aus Wilhelmshaven im Sanitätsdienst beim „Sea Festival“ in der litauischen Hafenstadt Klaipeda. „Wenn Jugend sich trifft, hat das doch Zukunft“, sagt Daemen.

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