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Statement zum Missbrauchs-Gutachten für das Bistum Münster

Bischof Felix Genn zu Missbrauch: Habe Fehler gemacht, nicht vertuscht

  • Der Münsteraner Bischof Felix Genn äußert sich zur Missbrauchsstudie für das Bistum Münster.
  • Als eine erste Folge des Gutachtens ist die Bischofsgruft in Dom in Münster geschlossen worden.
  • Genn will weitere Konsequenzen öffentlich machen.
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Update, 11.35 Uhr: Münster Bischof Felix Genn hat persönliche Fehler im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt eingeräumt. Vier Tage nach Vorstellung einer unabhängigen Missbrauchsstudie für seine Diözese sagte Genn am Freitag vor Journalisten in Münster: „Ich selbst hätte in einigen Situationen anders handeln müssen.“ Zugleich wies er darauf hin, dass er sexuellen Missbrauch nicht vertuscht und die Interessen der Institution nicht über die Sorge um die Betroffenen gestellt habe. Daher wolle er nicht zurücktreten und seine verbleibende Amtszeit dazu nutzen, Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch zu ergreifen.

Nach den Worten von Genn haben aber seine verstorbenen Amtsvorgänger Reinhard Lettmann, Heinrich Tenhumberg und Michael Keller im Umgang mit sexuellem Missbrauch „schwere Fehler“ gemacht. „Sie ließen sich von einer Haltung leiten, die den Schutz der Institution im Blick hatte, nicht aber die Betroffenen.“ Mit den Betroffenen sexuellen Missbrauchs solle abgesprochen werden, wie dieser Bischöfe und anderer verstorbener Amtsträger gedacht werden solle. Die Bischofsgruft im Dom zu Münster ist seit Montag geschlossen.

Verfügbar als PDF-Datei: Die Stellungnahme von Bischof Felix Genn vom 17. Juni.

Bischof Felix Genn äußert sich

Genn-Statement zum Missbrauch
Das Statement von Bischof Felix Genn stieß auf reges Medieninteresse. | Foto: Michael Bönte

Erstmeldung, 10 Uhr: Vier Tage nach der Vorstellung einer unabhängigen Studie zu sexuellem Missbrauch durch Kleriker im Bistum Münster will Bischof Felix Genn am Freitag, 17. Juni, ab 10.30 Uhr Stellung beziehen und über mögliche Konsequenzen informieren. Genn hatte die Ergebnisse einer über zweijährigen Forschungsarbeit von Historikern und Soziologen der Uni Münster am Montag entgegengenommen.

In der Zeit von 1945 bis 2020 gab es nach Angaben des fünfköpfigen Forscherteams mindestens 196 Kleriker als Täter und 610 minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch. Damit sind 4,17 Prozent der Priester betroffen. Die Dunkelziffer aber ist erheblich höher. Die Forscher gehen von 5.000 bis 6.000 Opfern aus. Genn sagte dazu in einer ersten Reaktion, dass er persönliche und institutionelle Verantwortung übernehmen wolle: „Ich war und bin Teil des kirchlichen Systems, das sexuellen Missbrauch möglich gemacht hat.“

Bischofsgruft in Münster bleibt geschlossen

Das Bistum Münster teilte am Donnerstag mit, dass es in unmittelbarer Nähe der Gräber von ehemaligen Bischöfen an deren Verfehlungen im Zusammenhang mit Missbrauch erinnern wolle. Bis eine passende Form in Zusammenarbeit mit Missbrauchsbetroffenen gefunden sei, solle die Bischofsgruft im Münsteraner Dom geschlossen bleiben, sagte Bistumssprecher Stephan Kronenburg. Die dort beigesetzten drei Bischöfe „ließen sich von einer Haltung leiten, die den Schutz der Institution im Blick hatte, nicht aber die Betroffenen“, so Kronenburg. „Die Toten sollen ruhen, die Wahrheit aber muss ans Licht.“

Die Studie wirft den in der Gruft beigesetzten Bischöfen Michael Keller (Amtszeit: 1947-1961), Heinrich Tenhumberg (1969-1979) und Reinhard Lettmann (1981-2008) vor, Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen gemacht zu haben. Beschuldigte und teils verurteilte Geistliche seien immer wieder versetzt und damit weitere Taten ermöglicht worden. Dem aktuellen Bischof Felix Genn bescheinigen die Studienautoren, in seinen ersten Jahren in Münster reuigen Tätern kirchenrechtlich nicht immer mit der gebotenen Strenge begegnet zu sein und erst später den Umgang mit Missbrauchsfällen verändert zu haben.

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