Mit „Aktion Pro Humanität“ ruft Weihbischof Lohmann zu Spendenaktion auf

Lohmann nach Afrika-Reise: „Terror hat den Niger zerstört“

 Foto: Johannes Vogt

Die Nachricht ist top-aktuell. Erst wenige Stunden vor dem Pressegespräch in Xanten hatte Erzbischof Laurent Lompo aus der Erzdiözese Niamey im afrikanischen Niger bei Elke Kleuren-Schryvers in Kevelaer angerufen. Eindringlich bittet er die Gründerin der „Aktion Pro Humanität“ (APH) um Hilfe: „Wir brauchen eure Unterstützung vom Niederrhein. Wir brauchen eure Stimme.“ Lompo fordert Kleuren-Schryvers auf, die bisherige Hilfe noch zu steigern. Angesichts des furchtbaren Hungers und des dramatischen Terrors der Djihadisten im Niger drohe eine humanitäre Katastrophe, so der Erzbischof.

Lohmann stehen der Schrecken und das Entsetzen angesichts der Situation im Niger noch ins Gesicht geschrieben. Er und Kleuren-Schryvers sind erst vor wenigen Tagen von einer Reise in den Niger und nach Benin zurückgekehrt. Der Terror habe in dem afrikanischen Land die Hilfsstrukturen komplett zerstört, sagen sie.

Terrorgruppe  Boko Haram Grund für Flucht

Die Flüchtlingsarbeit müsse jetzt in den Vordergrund rücken. Es sei in der letzten Zeit aufgrund des Terrors ein großes Flüchtlingsheer entstanden. Die Menschen innerhalb des Landes suchten Schutz. Ganze Familien seien traumatisiert, weil sie mit ansehen mussten, wie Menschen in ihren Dörfern geköpft wurden, sagt Lohmann.

Stiftung unterstützt SchulenDie Stiftung unterstützt auch Schulen. | Foto: Johannes Vogt

Auf den Hilferuf reagieren Kleuren-Schryvers und Weihbischof Rolf Lohmann sofort. Sie rufen die Menschen am Niederrhein und in der Region Recklinghausen zu einer sofortigen Spendenaktion auf. Ziel ist es, nach den Plänen von Erzbischof Lompo Patenschaften für Familien zu finanzieren, die wiederum Familien im Niger bei sich aufnehmen, um sie vor der Gruppe Boko Haram zu schützen. Denn Flüchtlingslager seien beliebte Ziele der Terroristen. Was es bedeute, wenn arme Familien im Niger Flüchtlinge in ihre Hütten aufnähmen, um sie zu verköstigen, könne sich in Deutschland niemand vorstellen, so Lohmann.

Lohmann als erster deutscher Bischof seit 40 Jahren im Niger

„Sämtliche sozialen, medizinischen und bildungsmäßigen Dienste können nur noch mobil gesteuert werden. Die Helfer müssen Orte für ihren Einsatz anfahren, die erst kurze Zeit vorher bekannt gemacht werden“, sagt der Weihbischof. „Die Menschen brauchen Fahrzeuge, die ebenfalls finanziert werden müssen“, ergänzt Kleuren-Schryvers. Darum will sich die Stiftung bemühen.

Nahezu ununterbrochen fordern djihadistische Attentate auf nigrische Militäreinheiten an der Grenze zu Nigeria und Burkina Faso Todesopfer. Die Gewalt metastasiert in dem Land. Um den Weihbischof und Kleuren-Schryvers bei dem Besuch einiger Einrichtungen zu schützen, werden sie vom Militär begleitet. Den Schutz hat die deutsche Botschaft organisiert. Er ist notwendig, weil sie Weiße sind und Lohmann als Bischof durch das Land reist. Er ist der erste deutsche Bischof, der seit beinahe 40 Jahren den Niger besucht.

Aus Gründen der Sicherheit nicht alle Orte besucht


Weihbischof Rolf Lohmann segnet Kranke. | Foto: Johannes Vogt

Lohmann hätte gern die Schule in Torodi besucht, die er mit den Spenden aus Anlass seiner Bischofsweihe unterstützt hatte. Doch Sicherheitsgründe lassen den Besuch dieser Region wie auch der Brunnenbauregion um Makalondi nicht zu. Verboten, sagen die Sicherheitsschützer. Kleuren-Schryvers und Lohmann fahren nach Siloé. Dort erleben sie, wie 90 Frauen und Männer in einem Fortbildungszentrum der Erzdiözese zu pastoralen Animateuren ausgebildet werden. In schwerster Lebenssituation leben sie Gottes Wort. Lohmann ist von diesem Engagement beeindruckt. Denn ihr Glaubenszeugnis kann jeden Tag mit dem Tod enden. Die pastoralen Kräfte kommen aus der am meisten gefährdeten Krisenregion um Makalondi, an der Grenze zu Burkina Faso und berichten Lohmann von ihrer Lebenssituation im Terror.

Nur ein Prozent der Menschen sind Christen

Die katholische Kirche im Niger führt ein Nischendasein. Nur ein Prozent der Menschen in dem afrikanischen Land sind Christen, 99 Prozent sind Muslime. Weil sich die Gefahr für die Kirchenleute zusehends verschärft, muss die katholische Kirche der Aufforderung der Regierung nachkommen und die weißen Ordensleute und Missionare abziehen. Bis auf die Kirchengemeinde in Makalondi sind alle peripheren kleinen Kirchengemeinden ohne Priester. Auch die internationalen Ordensschwestern, die neben der pastoralen Arbeit in der Krankenversorgung, im Apothekendienst, in der Versorgung unterernährter Kinder und in der Frauengruppenarbeit tätig waren, haben das Land verlassen.

Bewohner wollen keinen Besuch von Weißen

Menschen in der Region berichten den Gästen, dass Tag für Tag Djihadisten in die Dörfer einfallen und sich vor allem Dorfälteste und ihre Söhne, die bei Konflikten in der Bevölkerung oft als Moderatoren wirken, vor den Augen der Dorfbewohner mit Waffengewalt entführen oder gleich enthaupten. Viele Dörfer sind bereits verlassen. Große landwirtschaftliche Flächen werden nicht mehr bewirtschaftet. Drohbriefe der Terroristen warnen die Menschen vor der Arbeit auf den Feldern. Gleiches gilt für die Kirchenbesuche. Die Menschen bitten, dass keine Weißen mehr in die Region kommen, weil es ihr Leben noch mehr bedroht. Die Boko Haram unterstellt ihnen, mit den Regimen der Weißen zusammenzuarbeiten.

Weihbischof Rolf Lohmann (4. von links) ruft eindringlich zu Spenden für Hilfsprojekte im Nieger auf. | Foto: Johannes Vogt

Andererseits sind viele ergriffen, erinnern sich Kleuren-Schryvers und Lohmann, dass sie sich als Weiße trauen, in einer Zeit zu den Menschen des Nigers zu kommen, in der das Land in Europa als „zone rouge“, als rote Zone hinsichtlich der Gefahr und Gefährdung beschrieben wird. „Für viele ist es ein starkes Signal, nicht vergessen zu sein“, sagt Lohmann.

Weitere Informationen zur Spendenaktion erteilt Elke Kleuren-Schryvers , Vorsitzende der Aktion pro Humanität, Friedenstrasse 32-34, 47623 Kevelaer, Telefon: 02832/ 9776171.