Weihbischof äußert Verständnis für Sorge über Personalsituation am Niederrhein

Lohmann reagiert auf Brief von verärgerter Gemeinde in Kleve

„Ja, wir reißen Löcher auf, um andere zu stopfen“, entgegnet Weihbischof Rolf Lohmann auf den Brief der Pfarrei St. Willibrord in Kleve. Er habe großes Verständnis für die Sorgen der Gemeinde, wie sie in dem Schreiben aufgeführt worden seien.

In dem Brief an Bischof Felix Genn hatten sich Kirchenvorstand und Pfarreirat der Gemeinde über die Versetzung von Pfarrer Stefan Notz nach Xanten beklagt. Sie kritisierten den Bruch des Versprechens, dass mit Notz ein Pfarrer für längere Zeit habe bleiben sollen. Dieses Versprechen sei nicht eingelöst worden, so die Vertreter der Gemeinde. „Nach lediglich vier Jahren in St. Willibrord haben Sie unseren Pfarrer gebeten, die Pfarrstelle in Xanten zu übernehmen“, heißt es in dem Brief. Die verantwortlichen Gremien seien bei der Entscheidung, Notz zu versetzen nicht einbezogen worden. Vielmehr habe man in Kleve erst einen Tag nach der Vorstellung von Notz in Xanten erfahren.

Pfarrer Notz ermöglichte Fortschritte der Fusions-Gemeinden

„Seit der Fusion wurden aus unserer Sicht unter der Leitung von Dechant Stefan Notz deutliche Fortschritte im Zusammenwachsen der einzelnen Pfarreien mit ihren Ortschaften, aber auch eine enorme strategische und operative Weiterentwicklung der Pfarrei begonnen“, schreiben die Vertreter. Diese Entwicklung sei aber noch längst nicht abgeschlossen. Aus Sicht der Gemeinde werde eine mangelhaft Kommunikation durch das Bischöfliche Generalvikariat deutlich, der eine Perspektivlosigkeit und Leere entspreche.

Aussschnitt ausd dem Brief an den Bischof
Ausschnitt aus dem Brief der St.-Willibrord-Gemeinde an Bischof Felix Genn. | Foto: Michael Bönte

Lohmann kann die verärgerte Reaktion der Pfarrei durchaus verstehen. „Es ist deutlich übergekommen, dass sie sauer sind“, sagte der niederrheinische Regionalbischof im Gespräch mit „Kirche und Leben“. Unmittelbar nachdem das Schreiben beim Bischof eingegangen ist, hat er sich in Kleve zu Gesprächen zur Verfügung gestellt. Man bemühe sich natürlich um einen neuen Pfarrer für Kleve, aber die Personaldecke sei dünn, das müsse man im Bistum und in den Gemeinden einsehen.

Lohmann: St. Willibrord darf neuen Weg nicht aufgeben

Lohmann sieht aber auch jenseits der Verstimmung die Bereitschaft, das Leben der Gemeinde weiterhin zu gestalten. Die Gemeinde St. Willibrord habe sich schon früh mit konzeptionellen Fragen nach neuen Leitungsmodellen beschäftigt. Zum Beispiel, wie kleine Gemeinden pastoral betreut werden könnten. St. Willibrord dürfe diesen Weg nicht aufgeben, nur weil Notz versetzt worden sei. Lohmann erinnert daran, dass Dechant Notz selbst die Gemeinden ermutigt habe, neue Formen auszuprobieren und starke Persönlichkeiten zu fördern, die diesen Weg neuer Leitungsformen gehen wollten.

Lohmann: Leitung von Pfarreien für alle ein Thema

Das Thema neuer Leitungsmodelle werde sich in Zukunft auf das ganze Bistum beziehen: „Wie kann Leitung in unserem Bistum passieren? Wir müssen neue Wege gehen“, fordert Lohmann. Es gebe jetzt schon Modelle. Zum Beispiel gebe es in Herten neben dem Pfarrer als pastoralen Leiter einen Verwaltungsdirektor, der die Pfarrei in allen wirtschaftlichen, personellen und logistischen Fragen führe. Es gebe die Überlegungen multifunktionale Teams zu bilden.

Neben den pastoralen Kräften könnten kompetente Vertreter aus der Jugendarbeit und der karitativen und sozialen Arbeit die Gemeinde unterstützen. Und drittens gebe es gerade in kleineren Gemeinden die Möglichkeit Personen vor Ort, die sich die Leitung um den eigenen Kirchturm zutrauten zu fördern. „Es werden bald weitere Modelle vorgestellt“, sagt Lohmann. „Wir müssen andere Wege finden. Der Pfarrer muss nicht immer derjenige sein, der alles entscheidet.“