Kevelaerer ist „Missionar der Barmherzigkeit“ - mit besonderen Vollmachten

Lohmann: Wir sind Botschafter für das Beichtsakrament

Papst Franziskus hat zwei Priester als „Missionare der Barmherzigkeit“ ins Bistum Münster entsandt – den Kapuzinerpater Franz de Paula Siegmund, Poenitentiar (Beichtvater) am St.-Paulus-Dom in Münster, und Domkapitular Rolf Lohmann, Rektor der Wallfahrt in Kevelaer. Im laufenden „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ haben sie besondere Vollmachten. Über seine neue Aufgabe spricht Rolf Lohmann im Interview.

„Kirche-und-Leben.de“: Warum hat Bischof Felix Genn Sie als „Missionar der Barmherzigkeit“ vorgeschlagen?

Domkapitular Rolf Lohmann: Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass in Kevelaer so viele Beichtgespräche stattfinden. In Kevelaer wird jeden Tag das Bußsakrament gespendet, drei Stunden vormittags und drei Stunden nachmittags. Die Nachfrage ist da. Da ist meine Ernennung wohl ein Zeichen, Kevelaer als Ort der Beichte weiter zu stärken.

Welche Vollmachten als „Missionar“ haben Sie?

Ich darf Sünden vergeben, von denen – außerhalb des Heiligen Jahrs – nur der Heilige Stuhl lossprechen kann. Das sind die Schändung von Hostien, der Bruch des Beichtgeheimnisses und ein tätlicher Angriff auf den Papst. Außerdem darf ich Mitschuldige von Verstößen gegen das sechste Gebot „Du sollst nicht die Ehe brechen“ lossprechen. Da sind die Bestimmungen leider relativ kompliziert, sodass ich kein leicht verständliches Beispiel nennen kann, in welchem Fall die Vollmacht angewendet wird.

Das scheinen ohnehin alles Sonderfälle zu sein.

Das stimmt, solche Sünden kommen glücklicherweise nur sehr selten vor. Bei der Aussendung der Missionare im Vatikan hatte ich aber den Eindruck, dass es dem Papst gar nicht um die Sondervollmacht und die vier Vergehen geht.

Worum dann?

Dem Papst ist es ein Anliegen, im Heiligen Jahr auf die Bedeutung des Sakraments der Versöhnung hinzuweisen. Die Menschen können im Bußsakrament konkret die Barmherzigkeit Gottes erfahren. Sie können erleben, wie die Beichte ihnen helfen kann, sie aufrichten und stärken kann. Dafür sollen die „Missionare der Barmherzigkeit“ Botschafter sein. Außerdem hat der Papst betont, dass Priester bei der Beichte nachsichtig sein sollen, dass sie nicht bohren sollen, wenn es jemandem unangenehm ist, über etwas Bestimmtes zu sprechen. Sie sollen deutlich machen: „Wir verstehen schon.“

Was sagt die Aussendung von „Missionaren der Barmherzigkeit“ über den Papst?

Ich denke, es war ihm wichtig, auch die Möglichkeit der Vergebung besonderer Sünden in die Nähe der Gläubigen zu rücken. Hinzu kommt: Nicht nur die „Missionare der Barmherzigkeit“, auch die Heiligen Pforten gibt es in diesem Heiligen Jahr weltweit. Das scheint ein weiteres Zeichen der Stärkung der Ortskirchen zu sein.