Seelsorger aus Hamm-Bockum-Hövel setzt Neuanfang im Oldenburger Land

Ludger Jonas ist jetzt Pfarrer in Emstek – und Eheberater

Donnerstags ist der Pastor von Emstek nicht da. Jedenfalls oft. Denn dann berät Ludger Jonas in Bersenbrück Ehepaare mit Problemen.

Fehlt er dann nicht in seiner Gemeinde? Ludger Jonas schüttelt den Kopf, die Frage sei falsch gestellt. Wichtiger sei doch, was die Gemeinde davon habe. „Ich ziehe daraus so großen Mehrwert, so viel Nutzen für meine Arbeit als Seelsorger, ich lerne so viel für den Alltag in der Gemeinde!“

Der Chef-Therapeut

Jonas arbeitet seit Jahrzehnten in der Eheberatung, schon als Kaplan in Ibbenbüren hat er nebenher Gruppentherapie und Beratung studiert. Fasziniert war er von seinem ersten Chef in der Beratungsstelle. „Der sprach immer vom großen Chef-Therapeuten und zeigte mit dem Finger nach oben in den Himmel.“ Zu Gott.

Jonas findet den Ausdruck sehr passend. Denn die Berater seien Menschen, sie könnten nicht alle Probleme lösen, sie müssten oft genug erleben, wie ihr Bemühen scheitere.
Zugleich könne sich ein Berater gerade auf diesen Gedanken verlassen: „Gottes Wirken ist meine Quelle und meine Grundlage.“ Und wenn am Ende der Beratung doch jemand sage, er sei ein besserer Mensch geworden – „dann ist das für mich immer das Wirken des großen Chef-Therapeuten“.

„Atmosphäre schnuppern“ in Emstek

Eine Arbeit, die ihn bereichere. Und ihm helfe bei der neuen Aufgabe – als Seelsorger in einem kleineren Ort wie Emstek. Kleiner, das war im wichtig. In anderen Gemeinden habe er nach einer Fusion „so viel verwalten, so viel organisieren, so viel Akten lesen“ müssen.
Auf Emstek war Jonas gespannt. Das Oldenburger Land kennt er, über seine Schwester in Bad Zwischenahn und nach seiner Zeit als Diakon in Langförden, 1983.

Aber Emstek? Als das Angebot kam, hat Jonas sich den Ort einen Samstag lang angesehen, „Atmosphäre schnuppern“ nennt er das.

Begegnung mit seinem ersten Emsteker

Durch den Ort gehen, in die Geschäfte, in die Vorabendmesse, abends zum Italiener um die Ecke. „Ein positives Gefühl“, fasst er zusammen.

Das hatte er auch am 6. April, als er sich der Gemeinde vorstellte. Als er vor dem Pfarrheim geparkt hatte, stand neben ihm ein Einheimischer und drückte ihm nach prüfendem Blick freundlich die Hand. „Das war unser Provisor, Herr Prenger. Der war für mich der erste Emsteker und sofort sympathisch.“ Wenige Minuten später habe er Pfarreirat und Kirchenausschuss kennengelernt. „Auch ein sehr positives Gefühl.“

Was ihn an der Gemeinde beeindruckt

Jonas hat vor seiner Einführung am vergangenen Sonntag schon einige Wochen in Emstek gelebt. Auffallend für ihn: „Überall hat man mich herzlich begrüßt, beim Bäcker, in der Tankstelle, beim Spaziergang auf dem Friedhof. Die Menschen sind einfach offen und freundlich.“ Also erneut ein positives Gefühl.

Aber Ludger Jonas verlässt sich nicht nur auf Gefühle. Er hat zum Beispiel den Pastoralplan der Pfarrgemeinde genau studiert, wie sie sich selbst sieht und was sie vorhat. Beeindruckt hat ihn besonders ein Projekt, bei dem die Gemeinde vor einem Einkaufszentrum warb. „Also eine missionarische Gemeinde.“

Missionarische Kirche ist sein Thema

Genau das Richtige für ihn. Missionarische Kirche war schon im Studium sein Lieblingsthema. Jonas sitzt auch im Domkapitel in Münster, er kennt das Bistum und macht sich Gedanken über seine Zukunft. „Wir brauchen in der Kirche viel Kraft, um sie zusammenzuhalten, das ist klar. Aber daneben müssen wir Kraft behalten, um anderen von unserem Glauben zu erzählen. Denn die warten darauf. Weil sie suchen.“

Ludger Jonas beobachtet sein Umfeld genau. „Es gibt heute doch Ratgeber für wirklich alles, für jede Idee und für jeden Trend – weil die Menschen nach Rat und Orientierung suchen.“ Er ist sicher: „Ihre tiefe Sehnsucht wird damit aber nicht erfüllt, die Sehnsucht nach einem erfüllten, ganzheitlichen Leben.“ Jonas glaubt: „Diesen Menschen hilft es vielleicht, wenn wir ihre Sehnsucht mit der Ausstrahlung des Evangeliums zusammenbringen.“

Von der Kirche in Amerika lernen

Wie das konkret aussehen kann? In den USA, so weiß er von Mitbrüdern, sei es geradezu üblich, oft und immer wieder das Bekenntnis zu wechseln. Manche Familien kämen dann mit der katholischen Kirche in Berührung, fänden dort Antworten. „Sie werden katholisch – und bleiben es dann auch. Weil es ihnen gut tut, weil ihre Sehnsucht ein Ziel gefunden hat.“

Ähnliches hat Jonas als Pfarrer in Recke erlebt. Dort ging er als Notfallseelsorger zur Feuerwehr. Und hörte dort nach Einsätzen einfach zu, wurde dann als Partner an- und ernstgenommen. Genau das sei wichtig: „Zuhören, auf die Menschen hören. Denn die Kirche, auch die Gemeinde in Emstek, ist ja kein Selbstzweck. Wir haben eine Mission.“