Lob für katholische Jugendarbeit wie „Nightfever“

Lutherischer Bischof: Reformprozess für Katholiken „Neuland“

Der lutherische Catholica-Beauftragte Karl-Hinrich Manzke hat den geplanten Reformprozess der katholischen Kirche als „Neuland“ bezeichnet. „Offenbar wird die Situation der katholischen Kirche von vielen Bischöfen tatsächlich als eine umfassende Zäsur empfunden, auf die die bisherige Formen der Auseinandersetzung nicht angemessen reagieren können“, sagte Manzke am Samstag in Dresden bei der Jahrestagung der evangelischen Kirche.

„Wir Evangelischen werden diesen Weg mit großem Respekt und mit unseren Fürbitten aufmerksam verfolgen“, sagte der Landesbischof von Schaumburg-Lippe. Er ist zuständig für den Dialog der lutherischen Kirchen mit den Katholiken in Deutschland.

Synodaler Weg: Fragen der katholischen Sexualmoral diskutieren

Der „synodale Weg“ ist der kirchlicher Reformprozess in der katholischen Kirche, der am 1. Dezember in Frankfurt beginnen soll. Bischöfe und katholische Laien wollen in einer verabredeten Struktur die Folgen des Missbrauchsskandals, klerikalen Machtmissbrauch, Fragen der katholischen Sexualmoral und die Rolle der Frauen in der Kirche diskutieren. In zwei Jahren soll der Prozess beendet sein.

Manzke dämpfte die Erwartungen an den katholischen Reformprozess. Man werde vom „synodalen Weg“ keine umwälzenden Entscheidungen wie etwa die Aufhebung des Zölibats oder die Weihe von Frauen erwarten dürfen, sagte er. In den Diskussionen um den „synodalen Weg“ werde eine Spannung deutlich, die auch anderen Stellen in der katholischen Kirche spürbar sei. In Fragen von weltkirchlichem Belang wie etwa dem Zölibat und der Priesterweihe seien Entscheidungen nicht ohne Rom möglich. „Allerdings können aus Deutschland Anregungen kommen, die auch Einfluss auf die Diskussionen in der Weltkirche haben“, sagte er.

Manzke: Trotz Pristermangel Aufbrüche erkennbar


Der Catholica-Beauftrage Karl-Hinrich Manzke, Landesbischof von Schaumburg-Lippe. | Foto: Pressestelle Landeskirche-Schaumburg-Lippe

Beeindruckt zeigte sich Manzke von „ökumenische Aufbrüchen“ in der katholischen und ökumenischen Jugendpastoral. Als Beispiele nannte er eine ökumenische Initiative junger Menschen aus dem Geist des gemeinsamen Reformationsgedenkens in Sachsen-Anhalt, die ökumenische Pilgerreise „Mit Luther zum Papst“ sowie neuere geistliche Bewegungen in der katholischen Jugendpastoral wie die Initiative „Nightfever“, die zum Weltjugendtag in Köln 2006 ins Leben gerufen wurde und inzwischen weltweit verbreitet ist. Trotz struktureller Schwierigkeiten wie dem Priestermangel gelinge es im Katholizismus in Deutschland an diesen Stellen, junge Menschen zu begeistern und sie in der Kirche neue geistliche Aufbrüche wagen zu lassen, befand Manzke.

Das gelinge dort, wo jungen Menschen der Freiraum zur Entwicklung neuer Formate gegeben werde, fügte er hinzu. „Es gelingt aber offenbar auch deswegen, weil diese Formate nicht als Widerspruch zu traditionellen Elementen der kirchlichen Frömmigkeit empfunden werden. Neue Aufbrüche und fest verwurzelte Kirchlichkeit werden hier nicht als Spannung wahrgenommen.“ Das sei bemerkenswert.