Vor der Wahl eines neuen Präsidenten

Malteser Hilfsdienst – was macht die Organisation eigentlich?

Am Anfang war Konrad Adenauer. Der erste Bundeskanzler nämlich bat den traditionsreichen katholischen Malteserorden Anfang der 50er Jahre, eine bundesweite Erste-Hilfe-Ausbildung in den Diözesen zu organisieren. 1953 begannen die ersten Kurse in Sofortmaßnahmen.

Zwei Jahre später gründeten der deutsche Zweig des Malteserordens und der Deutsche Caritasverband offiziell den Malteser-Hilfsdienst (MHD). Der Verband mit Sitz in Köln hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der größten karitativen Organisationen in Deutschland entwickelt und ist bundesweit an mehr als 700 Orten vertreten.

Wahl am Wochenende

Am Wochenende wählt die Hilfsorganisation in Köln einen neuen Präsidenten. Constantin von Brandenstein (64) scheidet nach 26 Jahren an der Spitze der Hilfsorganisation aus. Der Unternehmensberater aus Frankfurt ist der Urenkel des Luftschiffbauers Ferdinand Graf von Zeppelin und Ururenkel des Japanforschers Philipp Franz von Siebold.

UPDATE 17. Juni: Der Unternehmer Georg Graf von Khevenhüller-Metsch (57) ist zum neuen ehrenamtlichen Präsidenten des Malteser Hilfsdienstes gewählt worden.

Zugleich wählen die Malteser auch einen neuen Vize-Präsidenten. Peter Limbourg (57), Intendant der Deutschen Welle, sei aufgrund seiner beruflichen Beanspruchung zurückgetreten, heißt es.

900.000 Förderer und großer Arbeitgeber

Die Verantwortlichen können auf eine stürmische Entwicklung in den vergangenen Jahren zurückblicken: Derzeit hat der Verband nach eigenen Angaben rund eine Million Mitglieder, davon 900.000 Fördermitglieder und 84.000 ordentliche Mitglieder, wovon wiederum 50.000 ehrenamtlich aktiv sind.

Mit nach eigenen Angaben fast 32.000 hauptamtlichen Mitarbeitern sind die Malteser einer der großen Arbeitgeber im deutschen Gesundheits- und Sozialwesen. Der Auslandsdienst fördert Partner in aller Welt und entsendet Fachkräfte in Krisengebiete.

Breit gefächertes Angebot

„Not erkennen und Nähe geben“, mit diesem Slogan werben die Malteser für ihre Dienste. In der Amtszeit von Brandensteins wuchsen auch die ehrenamtlichen sozialen Dienste der Malteser für Alte, Kranke und Menschen mit Behinderung: Ambulante Hospizgruppen, Betreuungsangebote für einsame und demenziell Erkrankte oder der Schulsanitätsdienst gehören heute ebenso zu den Aktivitäten wie Katastrophenschutz, Sanitäts- und Rettungsdienst, Erste-Hilfe-Kurse, Flüchtlingshilfe, Menüservice und Hausnotruf. So gibt es 125 Demenz-Tagestreffs, 1.336 Katastrophenschutzeinheiten, 230 Besuchs- und Begleitungsdienste sowie knapp 100 Integrationsdienste.

Zudem ist der Verband Träger von zehn Krankenhäusern bundesweit. Bundesweite Aufmerksamkeit erhalten die Malteser mit den Praxen der „Malteser Migranten Medizin“ für Menschen ohne Krankenversicherung; sie gibt es an 19 Standorten.

Katastrophenschutz und Notfallseelsorge

Auch international sind die Malteser tätig: Der Ungarnaufstand von 1956 war Startschuss für die Flüchtlingsbetreuung. 1989 kümmerten sich die Malteser um DDR-Flüchtlinge in den Lagern der deutschen Botschaft in Budapest. Heute organisieren sie über den internationalen Malteser-Auslandsdienst Hilfe im krisengeschüttelten Kongo ebenso wie in Syrien oder im Südsudan.

Seit 1958 ist der MHD auch ein wichtiger Akteur des Katastrophenschutzes. So waren Mitarbeiter 1962 bei der Sturmflut in Hamburg, 2002 beim Hochwasser im Osten oder 2017 beim G-7-Gipfel in Hamburg im Einsatz; bei jedem Katholikentag übernehmen sie die medizinische Versorgung. Eigens ausgebildete Seelsorger kümmern sich bei Unfällen und Katastrophen um Opfer und Helfer, Polizisten und Feuerwehrleute, die die schrecklichen Geschehnisse und Bilder verarbeiten müssen.