Boeselager ist wieder Großkanzler

Malteserorden: Großmeister tritt zurück – Streit mit Vatikan

Der Vatikan hat den Rücktritt von Matthew Festing (67) als Großmeister des Malteserordens bestätigt. Festing habe bei einem Treffen mit Papst Franziskus am Dienstag seinen Rücktritt eingereicht, den der Papst angenommen habe, teilte das vatikanische Presseamt am Mittwoch mit. Franziskus schätze „die Loyalität und Ergebenheit“ Festings gegenüber dem Nachfolger Petri und die Bereitschaft des Zurückgetretenen, „demütig dem Orden und der Kirche zu dienen“, heißt es in der Mitteilung.

Der Vatikan kündigte die Einsetzung eines päpstlichen Beauftragten für den Malteserorden an, der die kommissarische Leitung übernehmen soll. Bis zu dessen Ernennung habe der Großkomtur, der Österreicher Ludwig Hoffmann-Rumerstein, die Leitung inne. Nach dem Rücktritt eines Malteser-Großmeisters tritt automatisch der Großkomtur in dessen Funktion.

Papst forderte zum Rücktritt auf

Die römische Zentrale des Malteserordens hatte zuvor bestätigt, Franziskus habe Festing beim Treffen am Dienstag zum Rücktritt aufgefordert. Zuvor hatte der Papst den Bericht der Untersuchungskommission erhalten. Offiziell gültig sei der Rücktritt erst, wenn der Rat des Ordens den Amtsverzicht annehme, sagte eine Sprecherin des Ordens. Dies sei jedoch nur eine Formalie. Das Gremium werde in den kommenden Tagen zusammentreten.

Hintergrund des Rücktritts ist offenbar Festings Streit mit dem Vatikan über die Amtsenthebung des Deutschen Albrecht von Boeselager als Großkanzler des Malteserordens. Festing hatte die Entlassung im Dezember mit „schwerwiegenden Problemen“ begründet, die während Boeselagers Zeit als Verantwortlicher für die Koordination der humanitären Hilfe des Ordens aufgetreten seien. Boeselager betonte, die Amtsenthebung entbehre „jeder rechtlichen Grundlage“ und reichte vor einem ordensinternen Gericht Klage ein.

Umstrittene Untersuchungskommission

Der Papst setzte eine Untersuchungskommission zu dem Vorgang ein. Festing sprach dem Gremium zuletzt öffentlich die Legitimation ab und verweigerte eine Zusammenarbeit. Er berief sich auf den Status des Malteserordens als eigenständiges Völkerrechtssubjekt.

Laut Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatte es innerhalb des Ordens den Vorwurf gegeben, Boeselager habe den Einsatz von Kondomen zur Aidsverhütung in einem Programm von Malteser International in Myanmar nicht verhindert.

Der Brite Festing war im März 2008 auf Lebenszeit zum 79. Großmeister des Malteserordens gewählt worden. Dieser hat weltweit rund 13.500 Mitglieder. Kardinalpatron ist seit 2014 der US-Kardinal Raymond Leo Burke.

So geht es weiter
Albrecht von Boeselager ist wieder Großkanzler des Malteserordens. Der Souveräne Rat des Ordens machte die Amtsenthebung des Deutschen durch den zurückgetreten Großmeister Matthew Festing am Samstag rückgängig, wie die Malteser-Zentrale in Rom mitteilte. Zugleich nahm die Ordensregierung den Rücktritt Festings an, den der Vatikan bereits am Mittwoch mitgeteilt hatte. Bis zur Wahl eines Nachfolgers für den Briten werde der Orden übergangsweise vom Österreicher Ludwig Hoffmann von Rumerstein geleitet. Als Großkomtur ist er nach dem Großmeister die Nummer zwei der Malteser. Zugleich sagte der Rat laut der Mitteilung die Zusammenarbeit mit der angekündigten päpstlichen Delegation zu.