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Gast-Kommentar von Präses Annette Kurschus zum Erntedankfest am 3. Oktober

Man lässt niemanden verhungern. Punkt.

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Zum Erntedankfest sollten wir kurz innehalten. Wir leben hier im Überfluss, während in Afghanistan und anderen Teilen der Welt Menschen Hunger leiden. Doch wir können etwas ändern, sagt Präses Annette Kurschus in ihrem Gast-Kommentar.

Wenn wir unsere Kirchen zum Erntedankfest mit Äpfeln und Kürbissen, Getreide und Sonnenblumen schmücken, haben wir vor Augen, wie gut es uns geht: Wir haben zu essen und zu trinken, und zwar mehr als genug! Angesichts der aktuellen Bilder aus Afghanistan, wo die Versorgung der Menschen mit dem Allernötigsten kurz vor dem Zusammenbruch steht, wird klar, welch ein Luxus das ist.

Ob und wie den Menschen dort geholfen wird, darf nicht zur Diskussion stehen. Man lässt niemanden verhungern, Punkt. Egal welches Terror­regime sich durch internationale Nothilfe gestützt sieht. Wer unter den Taliban überleben will, braucht Wasser und Nahrung, Unterkunft und Medikamente. An die verzweifelten Menschen in Afghanistan denke ich an diesem Erntedankfest zuerst.

 

Gerechte Verteilung der Güter notwendig

 

Die Autorin
Präses Annette Kurschus ist seit März 2012 leitende Geistliche der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und seit November 2015 stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In unserer globalisierten Welt sollte eine gerechte Verteilung der Güter eigentlich ganz einfach sein. Stattdessen wird sie – im Gegenteil – immer schwieriger. Das hat auch mit unserem eigenen Lebensstil zu tun. Einige wenige – und wir gehören dazu! – verprassen, was eine große Mehrheit bitter nötig bräuchte.

Immer mehr Menschen leiden an Hunger, obwohl es laut „Brot für die Welt“ genug Nahrungsmittel für über sieben Milliarden Menschen auf der Erde gibt. Und wir? Bauen Raps und Mais als Treibstoff für Autos an.

 

Es braucht bewussten Verzicht

 

Gewiss: Es gibt Solidarität mit den Armen und Hungernden. Das haben wir während der Corona-Pandemie in eindrücklicher Weise erfahren. Obwohl die meisten Gottesdienste digital stattfanden, wurde über Online-Kollekten mehr für „Brot für die Welt“ gespendet als je zuvor. Das Erntedankfest in diesem Jahr könnte ein Anlass sein, auf den eigenen Teller zu schauen und darüber nachzudenken, was wir essen, wie und wo wir einkaufen und was das anderswo auf der Welt bewirkt.

Unser – meist unbewusster! – Verzehr von Soja, Kokos und Palmöl sorgt dafür, dass Regenwald gerodet wird. Unser Appetit auf Fleisch befeuert den Klimawandel – um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Zusammenhänge sind komplex, und die vielen Fairtrade- und Ökosiegel verwirrend bis irreführend.

Fest steht: In unserem Überfluss braucht es den bewussten Verzicht; in unserer florierenden Wirtschaft braucht es Nachhaltigkeit und Fairness; Menschen überall auf der Welt brauchen unser Eintreten dafür, dass sie satt werden. Und das ist mehr als genug haben. Das ist: in Würde leben.

Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von "Kirche-und-Leben.de" wider.

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