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Sechs Einrichtungen werben um Nachwuchs

Mangel an Heilerziehungskräften – Ausbildungsoffensive im Kreis Coesfeld

  • Der Fachkräftemangel ist gerade in der Heilerziehungspflege groß, weil das Profil des Berufs kaum bekannt ist.
  • Sechs Einrichtungen der Eingliederungshilfe im Kreis Coesfeld haben sich zusammengeschlossen, um um Ausbildungs-Nachwuchs zu werben.
  • Die Kampagne „Job voll Leben“ soll die Attraktivität des Berufs präsentieren.
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Die Situation ist so drängend, dass sie in die Offensive gehen: Sechs Träger der Heilerziehungspflege im Kreis Coesfeld haben sich zusammengetan, um für die Ausbildung in ihren Einrichtungen zu werben. Das Anna-Katharinenstift Karthaus, der Caritasverband des Kreises, die Kinderheilstätte Nordkirchen, das Sozialwerk St. Georg, die Stiftung Haus Hall und das Stift Tilbeck haben gemeinsam die Kampagne „Job voll Leben“ gestartet. Der Grund: In der Arbeit mit Menschen mit Behinderung fehlt der Nachwuchs.

Man habe sich für das Projekt als bestehendes Netzwerk für die Eingliederungshilfe im Kreis Coesfeld zusammengeschlossen, weil das Problem alle Träger gleichermaßen betreffe, sagte der Vorstand des Caritasverbandes im Kreis, Christian Germing, bei der Vorstellung der Aktion. „Während in anderen pflegerischen und erzieherischen Berufen die Ausbildungszahlen steigen, gehen sie im Bereich der Heilerziehungspflege zurück.“

Fachkräftemangel verschärft sich

Der Beruf ist zu wenig im Blick der Öffentlichkeit. Als möglicher Weg nach der Schulzeit ist die Ausbildung auch bei den Arbeitsagenturen nicht ausreichend präsent, sagte Germing. „Der allgemeine Fachkräftemangel wird für diese Einrichtungen damit noch verschärft.“ Ein Problem, das nicht geringer wird, wenn in den folgenden Jahren immer weniger junge Menschen ihre Schulzeit beenden. „Auch in diesem Jahr konnten wir nicht alle Ausbildungsstellen besetzen.“ Die Zahl von insgesamt 1200 Heilerziehungspflegern in den Einrichtungen im Kreis ist aber jetzt schon grenzwertig, gibt es doch bereits Wartelisten für Klienten.

Die Kampagne wird die Attraktivität des Berufs deutlich machen. Gerade die Vielfalt der Einsatzgebiete steht dabei im Mittelpunkt. „Morgens KünstlerIn, mittags Organisationstalent“, heißt es dazu auf einem der zwölf Plakat-Motive, auf denen MitarbeiterInnen der Einrichtungen für ihre Arbeit werben. Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Behinderung ist so vielseitig wie diese Menschen selbst, wurde bei der Vorstellung deutlich.

Beziehungsarbeit mit großer Sinnhaftigkeit

Das unterstrich auch Marion Verwohlt, die seit 20 Jahren Heilerziehungspflegerin ist. „Ich konnte immer selbst mitgestalten, wie meine Arbeit aussehen kann.“ Eigene Talente und Ideen fließen bei ihr täglich in ihren Einsatz ein. Begeistert ist sie vor allem von der Nähe zu den Menschen, sagt sie: „Es ist eine echte Beziehungsarbeit mit großer Sinnhaftigkeit.“ Sie bekommt oft direkte Rückmeldung und Bestätigung.

Dass ihr Beruf nicht so populär ist, macht sie auch an einem falschen Bild davon in der Öffentlichkeit fest. „Natürlich hat man dabei auch mit den schweren Situationen der Menschen zu tun“, sagte Verwohlt. Die bereichernden Momente aber überwiegen für sie. „Ich kenne so viele Menschen, die für diesen Job brennen.“ Alle Interessierten forderte sie auf, „sich zu trauen“ und „keine Berührungsängste“ zu haben.

Attraktive Ausbildung, gute Bezahlung

Mehr Informationen unter www.job-voll-leben.de

Die Zugangs- und Ausbildungsmöglichkeiten zum Heilerziehungsberuf sowohl im praktischen, als auch im schulischen Bereich sind attraktiv, ist eine weitere Botschaft der Kampagne. In der Arbeitsplatzwahl und der Gestaltung des Einsatzgebiets gibt es viele Freiheiten, die auch die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf ermöglichen. Die gute Bezahlung von etwa 3000 Euro nach der Ausbildung bis zu 4500 Euro für speziell qualifizierte Kräfte wurde ebenfalls hervorgehoben. Zudem sei die Zukunftsperspektive herausragend: „In diesem Beruf werden sie nie arbeitslos – der Bedarf für Plätze in der Heilerziehungspflege steigt.“

Diese Botschaften werden in den kommenden zwei Jahren an vielen Orten im Kreis Coesfeld zu sehen sein. Neben Plakaten, Flyern und Postkarten werden sie auch von Fahrzeugen, auf Jobmessen und in den Sozialen Medien präsent sein. 200.000 Euro kostet diese Offensive. Ein Aufwand, der absolut notwendig ist, sagt Germing: „Für uns war klar: Wir müssen jetzt etwas gemeinsam unternehmen.“

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