Klage über „unzeitgemäße und ungerechte Benachteiligung“ von Frauen

„Maria 2.0“: Hunderte Frauen beten vor dem Dom in Münster

Vor dem Dom in Münster haben mindestens 500 Frauen und Männer auf die Forderungen der Aktion „Maria 2.0“ hingewiesen. Bei dem „Mahnwache“ genannten zentralen Wortgottesdienst für das Bistum Münster prangerte Initiatorin Lisa Kötter die „unzeitgemäße und ungerechte Benachteiligung der Hälfte der getauften Kinder Gottes“ in der katholischen Kirche an.

Die an der Aktion beteiligten Frauen treten an vielen Orten bundesweit bis zum kommenden Wochenende in den Streik. Sie übernehmen keine ehrenamtlichen Aufgaben und feiern Gottesdienste vor statt in den Kirchen. Die Aktiven fordern den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, eine radikale Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs, ein Ende des Pflichtzölibats für Priester und eine Sexualmoral, die sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen ausrichten soll.

„Es geht uns nicht um Macht“

„Frauen bringen dieselbe Berufung mit wie jeder Mann, wie jeder Mensch“, betonte Lisa Kötter. In der katholischen Kirche würden nur Berufungen von Männern zu Priestern wertgeschätzt. Zuvor hatte Kötter den Brief einer Abiturientin an einen Bischof vorgelesen, die sich zum Priesteramt berufen sieht.

Während des Gottesdienstes. | Foto: Jens JoestWährend des Gottesdienstes. | Foto: Jens Joest.

„Es geht uns nicht um Macht“, betonte die Initiatorin. Das Ziel sei, dass auch Frauen „mächtig und wirkmächtig“ dazu beitragen können, das Evangelium zu verkünden. „Ändert euren Sinn“, habe Jesus den Menschen zugerufen. „Das ist das Schwerste“, sagte Kötter unter Anspielung auf die Verhältnisse in der Kirche.

Zug zum Bischofshaus

Den Wortgottesdienst veranstalteten die Aktion „Maria 2.0“, die in der Pfarrei Heilig Kreuz Münster entstanden ist, und die Katholische Frauengemeinschaft (KFD) im Bistum Münster. „Ihr seid starke und mutige Frauen“, dankte Kötter dem Verband für die öffentliche Unterstützung.

Zug zum Bischofshaus. | Foto: Jens JoestZug zum Bischofshaus. | Foto: Jens Joest.

Im Gottesdienst trugen Frauen Lesung (Offenbarung 7,9 und 14b-17) und Evangelium vom Tag (Johannes 10, 27-30) vor. Sie hielten Fürbitte für die Opfer körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt in der Kirche, ebenso für jene, „die weggesehen haben“, und jene, die sich „an das Amt und die Tradition klammern“. Am Ende zogen die Teilnehmer zum Bischofshaus und baten singend um das Kommen des Heiligen Geistes: „Veni Sancte Spiritus“.

Bistumsleitung äußert sich nicht zur Aktion

Vor Beginn des Kirchenstreiks hatte Münsters Bistumsleitung erklären lassen, sich zur konkreten Aktion „Maria 2.0“ nicht äußern zu wollen. Die Bistumsleitung wies aber auf den geplanten synodalen Weg zur Erneuerung der Kirche in Deutschland hin: „Hierbei werden unter anderem die Fragen thematisiert werden, die auch die Initiative Maria 2.0 stellt.“ Bischof Felix Genn sei zudem mit den Frauenverbänden im Bistum im Gespräch.