Mika Springwald und Jugendliche sprayen die sieben Schmerzen Marias

Maria-Graffiti zum Jubiläum der Wallfahrtskirche in Bethen

Die sieben Schmerzen Marias zieren nun als Graffiti die Unterführung hinter der Wallfahrtsbasilika in Bethen bei Cloppenburg. Mit überlebensgroßer „Street Art“ haben Jugendliche um den Osnabrücker Künstler Mika Springwald das Patrozinium der Basilika „Unsere Liebe Frau zu den sieben Schmerzen“ aufgegriffen, die in diesen Tagen 350 Jahre alt wird.

Der Bether Pfarrer Dirk Költgen hatte die Idee, Graffiti zu sprayen. Springwalds Kunst habe er bei einer Jugendkatechse mit Bischof Felix Genn kennengelernt, sagte Költgen der Bischöflichen Pressestelle Vechta. Gesprayte Kreuzwege von Springwald finden sich in Geldern, Köln, Münster und Osnabrück. Genehmigungen des Straßenbaumts Lingen und der Stadtverwaltung Cloppenburg für das Projekt habe er problemlos bekommen, so der Pfarrer.

Wie das Kunstwerk aussieht

Die erste Szene zeigt die Gottesmutter, die das Schicksal ihres noch kleinen Sohnes vorhergesagt bekommen hat. Springwald lässt Maria hier wehmütig auf einen Kinderwagen schauen. Die Flucht aus Ägypten zeigt sie mit Koffer.

Den Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel setzt Springwald mit einem bärtigen jungen Mann in Jeans und T-Shirt um, der sich – den Heiligenschein lässig unter dem Arm – von seiner Mutter entfernt. Auch die Szenen von Kreuzweg, Kreuzabnahme und Grablegung zeigen einen locker gekleideten Jesus mit Sneaker-Schuhen. Nur bei der Kreuzigung ist er nackt.

Jugendliche lassen sich ansprechen

Entwürfe und Schablonen brachte Springwald mit. Realisiert hat er das Kunstwerk mit rund 20 Jugendlichen der Katholischen Landjugend Bethen. Erfahrung als Sprayer hatte niemand von ihnen, auch die sieben Schmerzen Marien hätten sie nicht gekannt, sagen sie. Die Bilder aber sprechen sie an – etwa das des Zwölfjährigen im Tempel. Es sei vergleichbar mit der Situation von Jugendlichen, die „in der Pubertät zu Hause ausziehen“, sagt Felix Wessjohann.

„Die sieben Schmerzen Mariens sind für Jugendliche kein griffiges Thema“, sagt Künstler Springwald. „Wenn ich sie aber übertrage, sind es Themen von heute. Dafür ist die Sprühdose optimal. Außerdem hat sie immer noch den Hauch des Verbotenen.“

„Street Art“ sei sozialkritisch, so Springwald, der als Sozialarbeiter bei der Caritas Osnabrück arbeitet. „Für mich gibt es nichts Sozialkritischeres als das, was Jesus gemacht hat.“