Autor der Zufriedenheitsstudie im Auftrag des Bistums Münster 2015

„Marketing-Papst“ Meffert: Kirche muss mehr auf Menschen zugehen

„Marketing-Papst“ Heribert Meffert empfiehlt der katholischen Kirche angesichts der Kirchenaustritte mehr Empathie und Einfühlungsvermögen. Sie müsse sich „ernsthaft für die Sorgen und Nöte ihrer Gläubigen“ interessieren, sagte er den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Die Kirche müsse wieder häufiger von sich aus auf die Menschen zukommen, etwa wenn sie neu in eine Gemeinde gezogen sind. Dann wachse Vertrauen.

Es sei für die Kirche wichtig, „das einzelne Kirchenmitglied zu kennen, auf seine Bedürfnisse, seine Familie und sein Umfeld stärker einzugehen“, so der Wirtschaftswissenschaftler und frühere Leiter des Marketing-Lehrstuhls an der Universität Münster. Leider werde das durch die Zusammenlegung von Gemeinden zu immer größeren Einheiten und die abnehmende Zahl an Seelsorgern schwieriger.

Meffert: Kirche muss Dialog suchen, auch mit „Maria 2.0“

Die Kirche müsse auch kritische Dialoge suchen und durchstehen wie etwa bei der Protestaktion „Maria 2.0“, sagte der Marketing-Experte. „Nur im Dialog kann sie klären, ob die Leute zu Recht unzufrieden sind, oder ob sie vielleicht falsche Vorstellungen und Erwartungen haben.“ Doch dürfe sich die Kirche „nicht schmollend zurückziehen, wenn jemand etwas gegen sie sagt“. Vielmehr müsse sie risikobereit sein und Fehler zulassen.

Meffert empfiehlt der Kirche, mehr überraschende und kreative Projekte ins Leben zu rufen. Die Leute müssten aufhorchen und den Eindruck gewinnen, dass die Kirche sich kümmere. Das könnten etwa noch mehr Projekte für Flüchtlinge sein oder soziale Einsätze für alte Menschen. Es gebe viele „Themen an der Nahtstelle zwischen Glauben und Gesellschaft, mit denen man vor allem die jungen Menschen motivieren könnte. Und vor allem auch die Kirchenfernen.“

Zufriedenheitsstudie im Bistum Münster

Meffert hatte 2015 für das Bistum Münster in einer Studie nachgewiesen, dass die Zufriedenheit relevant für die Frage ist, ob Gläubige austreten oder bleiben. Zentrale Ergebnisse waren, dass rund 30 Prozent mit ihrer Kirche zufrieden und ebenso viele unzufrieden sind. 40 Prozent wählten eine mittlere Position. 22 Prozent der Katholiken im Bistum kennzeichnete die Untersuchung als austrittsgefährdet.