Gedenken an Übergriffe vom 9. November 1938

Marx: Christen lassen sich von Juden nicht mehr trennen

Die Spitzen der großen Kirchen in Deutschland haben ihre Verbindung zum Judentum unterstrichen. Es sei „selbstverständlich, dass wir uns nicht mehr von den Juden trennen lassen“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bei einer Podiumsdiskussion.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte dies ein wichtiges Signal an die Gesellschaft. Allerdings müssten die Kirchen diese Botschaft nun auch flächendeckend in ihren Reihen verbreiten. Über lange Zeit sei von den Kanzeln „etwas anderes gepredigt worden“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, sagte: „Diesen Auftrag nehmen wir an.“

Marx: Erschrecken über 1938 wird größer

Marx erklärte, bei ihm sei in den letzten Jahren das Erschrecken über die Übergriffe der Nationalsozialisten auf Juden am 9. November 1938 größer, nicht kleiner geworden: „Aus dem Abstand sieht man mehr.“ Zugleich sei bei ihm die Sorge um den Bestand der Demokratie in den vergangenen zehn Jahren gewachsen. Dennoch könne er nicht erkennen, dass eine Mehrheit der Gesellschaft für Hetzparolen empfänglich sei.

Schuster sagte, ihn stimme zuversichtlich, dass die Zahl derer kleiner geworden sei, die einen Schlussstrich unter die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis ziehen wollten. Es gebe jedoch seit Jahrzehnten einen stabilen Anteil von 20 Prozent der Deutschen, die Vorbehalte gegen Juden hätten. Er fürchte, dass diese auch durch eine noch so gute Erinnerungskultur nicht zu erreichen seien.

Bedford-Strohm: Antisemitismus ist Gotteslästerung

Bedford-Strohm sagte, die Kirchen hätten im Umgang mit ihren „jüdischen Geschwistern“ in der Vergangenheit viel Schuld auf sich geladen. Deswegen hätten sie jetzt eine besondere Verantwortung. „Antisemitismus ist Gotteslästerung“, betonte der Bischof. Kardinal Marx zitierte Papst Franziskus: „Ein Christ kann kein Antisemit sein.“