Diskussion um Kritik von Kardinal Woelki am Synodalen Weg geht weiter

Marx informiert Papst Franziskus über Synodalversammlung

Kardinal Reinhard Marx hat Papst Franziskus am Montag über die erste Synodalversammlung der katholischen Kirche Deutschlands informiert. „Er wird das auch weiterhin kontinuierlich tun“, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Marx, Münchner Erzbischof und Vorsitzender der Bischofskonferenz, traf am Mittag mit Franziskus zusammen. In Rom hält er sich derzeit als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrates auf.

Diskussionen über Äußerungen von Kardinal Woelki

Unterdessen geht die Debatte über mögliche Reformen in der Kirche weiter. Für Diskussionen sorgen unter anderem Äußerungen des Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Er hatte sich am Wochenende darüber beklagt, dass Skeptiker des Reformdialogs es vergleichsweise schwer gehabt hätten, zu Wort zu kommen. Auch sei die hierarchische Verfasstheit der Kirche infrage gestellt worden.

Die aus 230 Mitgliedern bestehende Synodalversammlung ist das höchste Gremium des auf zwei Jahre angelegten Synodalen Wegs. Sie tagte von Donnerstag bis Samstag erstmals in Frankfurt. Die Initiative ist bislang in der Kirche weltweit einmalig. Die Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wollen damit unter anderem nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Inhaltlich stehen vier Themen im Zentrum: Macht, priesterliches Leben, Sexualmoral und Rolle der Frau.

Bischof Oster: Polarisierungen nehmen zu

Der Passauer Bischof Stefan Oster sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Montag), er blicke mit Besorgnis auf den Fortgang des Reformdialogs. Er spüre „wie Polarisierungen zunehmen“, und frage sich, „wie wir zu der von mir und vielen anderen gewünschten Einmütigkeit kommen können“. Andererseits freue er sich „wirklich auf viele unterschiedliche Begegnungen mit Menschen“.

Differenzen sieht der Passauer Bischof nach eigenen Worten weniger zwischen Laienvertretern und Bischöfen generell, sondern „eher zwischen einer Minderheit von Bischöfen und Laien, denen die Lehre der Kirche wichtig ist - wie mir -, und einer deutlichen Mehrheit der Synodalversammlung“, die mit Nachdruck Änderungen wünsche, etwa beim Zölibat oder der Rolle der Frau.

Erzbischof Becker: Respektvoller Umgang

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker äußerte sich positiv. Die Teilnehmer hätten aufeinander gehört und seien mit viel Respekt vor der Meinung des anderen mit dem Gehörten umgegangen.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag), die beiden Themen Macht und Rolle der Frau hätten viele Teilnehmer in besonderer Weise bewegt. Eine ähnliche Meinung vertrat Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz. „Es ist viel Kraft da, die darauf wartet, entbunden zu werden.“

Stuttgarter Stadtdekan: Statusangst statt Sachverstand

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, machte die erste Synodalversammlung deutlich, dass viele Katholiken echte Veränderung wünschten. Nur eine kleine Gruppe von „Traditionalisten“ sei „damit überfordert, dass beim Synodalen Weg auf einmal jeder und jede mit gleichem Recht sprechen“ könne, schreibt er im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag).

Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes kritisierte das Verhalten des Kölner Kardinals. „Abreisen und Nachtreten - Kardinal Woelki, das ist nicht fair!“, so Hermes auf Facebook. „Aus dem sakramentalen Dienstamt abzuleiten, dass man mit 'normalen' Gläubigen nicht gemeinsam zu einem Gottesdienst gehen oder bei einer Beratung sitzen kann - das verrät mehr Statusangst als ekklesiologischen Sachverstand.“

16-jährige Delegierte aus Münster

Johanna Müller aus Münster, mit 16 Jahren die jüngste Teilnehmerin der Synodalversammlung, zeigte sich beeindruckt von der offenen Gesprächsatmosphäre. Bei Sexualmoral und -lehre habe es sehr viele unterschiedliche Ansichten gegeben. Dort könnten „noch große Konflikte entstehen“, so die Schülerin.