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Münchner Kardinal bei Veranstaltung mit Betroffenen

Marx: Sexueller Missbrauch in der Kirche stellt „Gesamtsystem in Frage“

  • Sexueller Missbrauch in der Kirche stellt laut Kardinal Reinhard Marx das „Gesamtsystem in Frage“.
  • Marx sprach bei der Veranstaltung „Betroffene hören“ im Erzbistum München und Freising.
  • Kai Christian Moritz, Schauspieler und Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz, entgegnete, dass dies auch ein „vergiftetes Angebot“ sein könne.
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Sexueller Missbrauch im Raum der Kirche stellt nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx das „Gesamtsystem in Frage“. Das sei ihm in den vergangenen Jahren noch deutlicher geworden, sagte Marx am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion im Münchner Künstlerhaus. Anlass war eine Veranstaltung des Erzbistums München und Freising zum Thema „Betroffene hören“. Er wolle sich als Bischof nicht aus der Verantwortung ziehen, dennoch müsse sich „die Kirche als ganze dem Thema stellen“ und nach den systemischen Ursachen fragen.

Marx regte an, „weitere Formate zu finden, bei denen Betroffenen wirklich zugehört wird, auch bei den unangenehmen Themen“ und dankte dem Betroffenenbeirat der Erzdiözese „für die Möglichkeit, dass wir das zu einem weiteren Weg machen“. 2010 sei für ihn ein Einschnitt gewesen und habe seinen „Glauben in Frage gestellt, bis heute“, so der Kardinal. „Natürlich frage ich mich zu Recht: Haben wir überall zugehört? Nein. Wollten wir alles wissen? Nein.“ Es sei viel zu lange vernachlässigt worden, „Betroffenen wirklich zuzuhören und das auch stehenzulassen“.

Betroffener: Guter Wille reicht nicht aus

Die Kirche werde sich nur verändern, so der Kardinal, wenn alle begriffen: „Wir sind Teil des Systems gewesen.“ Deshalb gelte es, gemeinsam den Betroffenen zuzuhören. Bei seiner 2020 eingerichteten Stiftung zugunsten von Missbrauchsbetroffenen sei eine Überlegung gewesen, die Betroffenen sollten selber definieren, was sie brauchten. Ob das gelinge, werde sich zeigen.

Kai Christian Moritz, Schauspieler und Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz, entgegnete, dass dies auch ein „vergiftetes Angebot“ sein könne. Denn Betroffene würden so wieder in die Position gesetzt, zu entscheiden, was gemacht werden solle. „Aber die Verantwortung, die liegt auf der anderen Seite“, sagte Moritz. Als Beispiel nannte er die Diskussion um Anerkennungszahlungen. Da blieben Fragen im Raum: „Was ist denn genug? Wann sind sie denn zufrieden? Wir machen ja, was sie wollen.“ Das alles sei sehr delikat. Guter Wille allein reiche jedoch nicht aus.

Stabsstelle für Betroffene: Kilian-Thomas Semel (54), Leiter des Pfarrverbands Haar, wird zum 1. Juli Seelsorger für Betroffene sexuellen Missbrauchs im Erzbistum München und Freising. Das wurde am Montagabend in München bekannt bei einer Veranstaltung des Erzbistums unter dem Motto "Betroffene hören" im Künstlerhaus. Bundesweit werde die neu eingerichtete Stabsstelle die erste dieser Art sein und er ein Teil davon, sagte Semel. Damit folge die Erzdiözese einem Wunsch des Betroffenenbeirats, dem der Geistliche angehört. Dieser wurde selbst als Ministrant von einem Priester missbraucht. (KNA)

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