Scharfe Luther-Kritik von Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Marx und Bedford-Strohm für weitere Schritte in der Ökumene

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, haben weitere Annäherungen in der Ökumene zugesagt. „Inmitten einer säkularisierten und weltanschaulich pluralen Gesellschaft, in der viele Mitmenschen nicht mehr zwischen katholisch und evangelisch unterscheiden, müssen wir gemeinsam auftreten“, schreiben die Kirchenvertreter in der Wochenzeitung „Zeit“.

Das Reformations-Gedenken 2017 solle kein Schluss-, sondern ein Doppelpunkt der Ökumene sein, so Marx und Bedford-Strohm. „Wir verpflichten uns, insbesondere der Frage nach der sogenannten sichtbaren Einheit nachzugehen und zu klären, was sie bedeutet.“ Es gebe weiterhin „Schmerzhaftes und Trennendes, und keiner kann ein Datum festlegen, an dem das Trennende endgültig überwunden sein wird“.

Ökumene-Bericht für den Papst

Konkret wollen Marx und Bedford-Strohm „das ökumenische Miteinander auch im gottesdienstlichen Leben unserer Gemeinden verstärken“. Zudem solle es einen gemeinsamen Bericht „über den Stand des ökumenischen Weges und die weiteren Schritte in Deutschland“ geben, den Papst Franziskus erhalten solle.

Derweil griff der deutsche Kardinal Gerhard Lüdwig Müller, früher Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, die Vorstellung einer weichgespülten Ökumene scharf an. Was als Reformation Martin Luthers bezeichnet werde, sei in Wirklichkeit eine Revolution und „wider den Heiligen Geist“ gewesen, schrieb Müller im Internet-Magazin „La Nuova Bussola Quotidiana“.

Müller: Luther handelte „wider den Heiligen Geist“

In Luthers Absicht habe keineswegs nur der Kampf gegen Missbräuche beim Ablass gelegen, so Müller. Aus seinen Schriften werde „absolut klar, dass Luther sämtliche Prinzipien des katholischen Glaubens hinter sich gelassen hat“. Die Abschaffung von fünf Sakramenten, die Leugnung der Eucharistie und die Ämterkritik Luthers bedeuteten, dass man die Reformation nicht als „Kirchenreform im katholischen Sinn“ bezeichnen könne.

Heute müsse man zwar auch das Wirken des Heiligen Geistes in nichtkatholischen Christen wahrnehmen. Über die Substanz der Glaubenslehre könne es aber keinen Dialog geben. Andernfalls hieße dies, dass die Kirche „über tausend Jahre Glaubensirrtümer gelehrt hat“. Es sei Kernelement der Glaubenslehre, dass die Kirche „in der Heilsweitergabe in den Sakramenten nicht irren kann“.