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Kardinal lobt Herangehensweise des Missbrauchsgutachtens für das Bistum Münster

Marx zahlte schon 2012 privat 97.000 Euro für Betroffene

  • Kardinal Reinhard Marx hat im Jahr 2012 mit 97.000 Euro „einen beträchtigen Teil“ der Leistungen für die damals bekannten Betroffenen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum München und Freising gezahlt.
  • Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sprach er nun über den Stand der Missbrauchsaufarbeitung in seinem Erzbistum.
  • Dabei kritisierte er die Nichtveröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln und lobte die Herangehensweise des Bistums Münster.
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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx (67) hat schon 2012 aus seinem Privatvermögen knapp 100.000 Euro an Missbrauchsopfer gegeben. Auslöser sei 2010 ein Reporter der „New York Times“ gewesen, sagte Marx im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag). Dieser habe ihn einmal gefragt, ob die Missbrauchsskandale seinen Glauben verändert hätten. Er habe geantwortet: Ja - und bald darauf, im Jahr 2012, mit 97.000 Euro „einen beträchtigen Teil“ der Leistungen für „die damals bekannten Betroffenen in unserem Erzbistum“ gezahlt.

Marx hatte Anfang Dezember die Gründung einer Stiftung für Betroffene sexuellen Missbrauchs in der Kirche mitgeteilt. Er habe sich entschlossen, dafür „den allergrößten Teil“ aufzuwenden, insgesamt 500.000 Euro, so der Kardinal. Die Stiftung trägt den Namen „Spes et Salus“ (Hoffnung und Heil). Sie soll laut Satzung einen Beitrag zur „Selbstermächtigung“ der Betroffenen leisten. Diese würden „gleichberechtigt“ an der Ausgestaltung der Stiftungsleistungen beteiligt.

Marx hofft auf Nachahmer – auch international

Im SZ-Interview sagte Marx nun, er habe seine Aktion öffentlich gemacht, „damit vielleicht auch andere sagen: Das finden wir gut, wir geben Geld dazu. Gerne auch international; wir haben ja hier kein deutsches Problem, sondern eines der Weltkirche.“

Marx war bis 2019 auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er räumte ein, dass er für die Stiftungspläne seitdem etwas freier sei als mit diesem Amt. So könne keiner unterstellen, er wolle etwa seine Mitbrüder damit unter Druck setzen. Zuletzt sei das Nachdenken über die Stiftung konkreter geworden, so Marx; als ihm „klar wurde, dass Menschen durch das, was ihnen im Raum der Kirche angetan wurde, ihren Glauben verloren haben“.

Wieso hat Kardinal Marx so viel Geld?

Auf die Frage: „Wieso hat der so viel Geld?“, sagte der Kardinal: „Die Antwort ist ganz einfach: Weil er's nicht ausgegeben hat.“ Er habe „nichts geerbt, kein Eigentum, kein Haus. Ich habe keine teuren Hobbys, ich kaufe Bücher, ab und zu muss eine Zigarre drin sein“. Ihm sei immer klar gewesen, dass er sein Vermögen nicht für sich verbrauchen werde, sagte Marx der SZ. Es blieben ihm ja „noch gut 100.000 Euro - und ich verdiene ja weiterhin Geld, Besoldungsgruppe B 10“; das entspricht einem Monatsbrutto von 13.654 Euro.

Münchener Missbrauchsgutachten für 2021 angekündigt

Als erste deutsche Diözese hatte das Erzbistum München und Freising unter Marx 2010 einen unabhängigen Missbrauchsbericht vorgestellt, für den die Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) Personalakten seit 1945 durchforstete.

Ein erweitertes Gutachten wurde Ende Februar bei derselben Kanzlei in Auftrag gegeben. Es soll den Zeitraum bis 2019 einschließen und Verantwortliche für etwaige Versäumnisse nennen. „Alle wissen, wer in den vergangenen Jahrzehnten Erzbischof von München und Freising war oder andere Verantwortung hier hatte, mich eingeschlossen“, sagt Marx dazu. Der Bericht werde nicht vor Frühjahr 2021 fertig sein, hieß es zuletzt beim Erzbistum.

Marx über Gutachten in Köln und Münster

Die Nichtveröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln sieht Marx als „verheerend“ für die gesamte Kirche an. „In der Öffentlichkeit wird nun wahrgenommen, dass Juristen über Spitzfindigkeiten auf dem Rücken der Betroffenen streiten“, kritisierte Marx.

Dahingegen lobte er den „breiten Ansatz“ des Gutachtens, des Bistums Münster: „Man fragt nach dem gesellschaftlichen Umfeld, man schaut, wie die Justiz reagierte - da gab es offensichtlich auch Defizite.“ Im Bistum Münster ist ein unabhängiges Team der Westfälischen Weilhelms-Universität Münster um den Historiker Thomas Großbölting mit einer Untersuchung beauftragt. 

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