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Geschichten von Pioniergeist und Mut der Schwestern. Eine geistliche Serie der Mauritzer Franziskanerinnen im Heiligen Jahr.
Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Der November ist traditionell ein Monat, in dem wir zurückschauen auf unser eigenes Leben und auf das Leben derer, die vor uns waren, beginnend mit Allerheiligen und Allerseelen. Oft ist es eine nachdenkliche Zeit. Viele Menschen überlegen, was aus ihren Plänen vom Jahresanfang geworden ist und was sie in ihrem Leben insgesamt schon erreicht haben. Und wenn wir die Kerzen auf den Gräbern unserer Verstorbenen anzünden, ist diese Geste auch ein Ausdruck von Respekt gegenüber deren Leben, deren Lebenswerk. So auch bei uns Mauritzer Franziskanerinnen.
Viel „Frauen-Power“, Pioniergeist und Mut zeigt sich in der über 180-jährigen Geschichte unserer internationalen Kongregation. Mit Blick auf Beruf und Gesellschaft waren unsere Schwestern oft ihrer Zeit voraus. Denn in den von unserer Ordensgemeinschaft gegründeten Einrichtungen gab es schon immer Frauen in Leitungspositionen. Nicht nur die Pflege von Patientinnen und Patienten lag vollständig in der Hand der Schwestern, sondern auch die Gesamtleitung der Krankenhäuser. Ordensfrauen konnten sich also lange Zeit beruflich viel freier verwirklichen als die Frauen außerhalb eines Klosters: In Deutschland beispielsweise wurden verheiratete Frauen erst nach 1969 als geschäftsfähig angesehen, und bis 1977 mussten sie ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen, wenn sie arbeiten wollten. Zu der Zeit leitete Schwester M. Ambrosina Bettmer das St. Franziskus-Hospital in Münster mit mehreren hundert Schwestern und zivilen Beschäftigten.
Von einer Krankenschwester zur Zahnärztin
Traditionell lernten alle Schwestern, die unserer Ordensgemeinschaft beitraten, die Krankenpflege – aber je nach den Positionen und Aufgaben, die in der Kongregation zu besetzen waren, blieb diese Ausbildung oft nicht die einzige. Wie bei Schwester M. Dietmara Ahlmann, Jahrgang 1937: Als die Ordensleitung Anfang der 1960er Jahre beschloss, die zahnärztliche Versorgung der vielen Schwestern in Münster „inhouse“ zu gewährleisten, wurde Schwester Dietmara für diese Aufgabe ausgewählt.
Die gelernte Krankenschwester machte auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nach und studierte ab 1968 Zahnmedizin in Münster – als einzige Frau in ihrem Jahrgang. Als Zahnärztin versorgte sie dann 35 Jahre lang ihre Mitschwestern in einer voll eingerichteten Praxis im Untergeschoss des St. Franziskus-Hospitals. Parallel war sie ab 1983 in der Provinz- und Generalleitung tätig und reiste in die Niederlassungen und Projekte unserer Kongregation in Japan, Taiwan, Korea, Indien, USA, Haiti, Arizona, Polen und Tschechien.