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Die Geschichte des ambulanten Hospizdienstes Tauwerk in Berlin. Eine geistliche Serie der Mauritzer Franziskanerinnen im Heiligen Jahr.
Im Jahr 2018 erregte eine Schlagzeile aus Großbritannien große Aufmerksamkeit: Im Vereinigten Königreich wurde das weltweit erste „Ministerium gegen Einsamkeit“ eingerichtet. Zwei Jahre später folgte Japan dem Beispiel.
Eine internationale Studie, die mehr als 140 Staaten untersuchte, stellte im Oktober 2023 fest, dass weltweit fast jeder vierte Mensch unter Einsamkeit leidet. Fast zeitgleich erarbeitete unsere Bundesregierung eine „Strategie gegen Einsamkeit“ und legte kürzlich das neuste „Einsamkeitsbarometer“ vor, in der jedes Jahr das Einsamkeitserleben der deutschen Bevölkerung analysiert wird. Tendenz steigend.
Alle sind sich einig: Einsamkeit ist ein großes Problem unserer Zeit. Denn Einsamkeit belastet nicht nur die Seele, sondern auch den Köper: Ihre toxische Wirkung soll einer täglichen Packung Zigaretten entsprechen. Die Studien verweisen sogar auf eine Gefahr für die Demokratie, denn Personen mit erhöhter Einsamkeitsbelastung zeigen deutlich weniger Vertrauen in politische Institutionen und einen stärkeren Hang zum Extremismus.
Begegnung mit den Ausgegrenzten
Besonders betroffen von Einsamkeit sind seit jeher Menschen, die Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren. Zu Lebzeiten des heiligen Franziskus von Assisi waren es die Aussätzigen, die vor die Tore der Stadt verbannt und ihrem Schicksal überlassen wurden.
Die Chroniken berichten, dass die persönliche Begegnung mit einem Aussätzigen Franziskus‘ Leben veränderte: Der reiche, verwöhnte junge Mann stieg von seinem Pferd und umarmte den Kranken, in dem er seinen Bruder, in dem er Jesus erkannte. Später widmeten Franziskus und seine Gefährten ihr Leben ebendiesen Kranken und Ausgegrenzten und bezogen die gesamte Schöpfung in ihre geschwisterliche Fürsorge ein.
Davon zeugt auch der „Sonnengesang“, den Franziskus vor 800 Jahren schrieb. Er bezeichnet darin alle Mitgeschöpfe sowie Sonne, Mond und die Elemente als seine Geschwister.
Hilfe für an AIDS Erkrankte
Inspiriert vom Beispiel des heiligen Franziskus haben wir Mauritzer Franziskanerinnen seit der Gründung unserer Gemeinschaft immer wieder versucht, diese Geschwisterlichkeit im Dienst an Gott und den Menschen zu leben. Anfang der 1990er Jahre führte diese Haltung Schwester M. Juvenalis Lammers und mich nach Berlin.
Es war die Zeit, als das HI-Virus (HIV) Angst und Schrecken verbreitete und eine Infektion einem Todesurteil gleichkam. In der Hauptstadt lebten und starben besonders viele Infizierte, einsam und ausgegrenzt wie „neue Aussätzige“, verstoßen von der Gesellschaft, von der Kirche, einige selbst von ihren Familien.