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Ein Forscher untersuchte Hunderte Folgen. Was er dabei über die Darstellung des Christentums und anderer Glaubensgemeinschaften herausgefunden hat.
Religiöse Menschen werden in Vorabendkrimis nach einer Studie des Theologen Beat Föllmi häufig als verhaltensauffällig oder böse dargestellt. „Praktizierende Religiöse werden mit einem rigiden Moralismus gezeichnet“, sagte der Schweizer Professor für Kirchenmusik am Donnerstag gegenüber „Christ & Welt“. „So rigide, dass dann mitunter der religiöse Mensch mordet, um beispielsweise wieder Gerechtigkeit herzustellen, weil jemand anders eine Sünde begangen hat.“
Föllmi untersuchte für ein Forschungsprojekt 900 Krimi-Folgen im deutschsprachigen Fernsehen. Bei einem Pfarrer werde der Glaube zwar nie als problematisch inszeniert, sagte er, „der gehört ja zum Berufsbild“. Alle anderen religiösen Figuren hingegen würden fast immer negativ dargestellt oder lächerlich gemacht.
Klöster würden in Krimis oft als „Hort des Bösen“ geschildert, sagte Föllmi. Mönche kämen bei vielen Drehbuchautoren ganz schlecht weg. Ordensleuten würden oft Worte aus dem Alten Testament in den Mund gelegt, in denen es um Gewalt gehe oder die Fanatismus rechtfertigen sollen. „Mein ist die Rache, spricht der Herr“, sei so ein Beispiel.
Religiöse Unkenntnis
Religiosität in ländlichen Regionen sei in Krimis oft ein Indiz für Rückständigkeit, etwa in Süddeutschland oder in der Eifel, erläuterte der Theologe. In einem Krimi habe er den Satz gehört: „Wenn sie betrunken sind, sehen die Eifler anstatt grünen Männchen gleich die Jungfrau Maria.“
Zudem ist nach Föllmis Worten in vielen Drehbüchern „religiöser Analphabetismus“ verbreitet. In der ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ sei beispielsweise eine „katholische Freikirche“ vorgekommen. Dabei könne es so etwas gar nicht geben. „Bei den Katholiken sind Sie entweder drin oder draußen“, sagte der Professor.
Leerstellen
Andere Religionen würden in den Vorabendkrimis kaum eine Rolle spielen. Der Islam erscheine fast ausschließlich im Zusammenhang mit Problemen oder in Form von Extremismus, das Judentum bleibe gänzlich ausgespart. Buddhismus wiederum tauche nur auf, wenn westliche Figuren - meist Frauen in der Sinnkrise - zur Meditation greifen. Von religiöser Vielfalt könne keine Rede sein, fasste Föllmi zusammen.